Slow Travel – Silent Tavel | Gastbeitrag

Heute schreibe ich mal in meinem eigenen Blog einen Gastbeitrag – weil ich das Original soeben in meinem anderen Blog nordlieben.de veröffentlicht habe… 😉 Ich finde aber, dass diese Form des Reisens auch sehr viel mit Minimalismus zu tun hat. Oder was meint Ihr?

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Die kurze Geschichte einer langen Zugfahrt

Am Ende wusste ich nichts über ihn, weder wo er lebte, noch was er beruflich tat – und das wissen doch die meisten Deutschen nach spätestens fünf Minuten Small Talk voneinander. Wir reisten acht Stunden nebeneinander und einander gegenüber, in zwei Zügen durch drei Länder.

Ich saß bereits, als er irgendwo zustieg, es war wohl in in Lübeck, und sich neben mich setzte, weil er dort reserviert hatte. Er war ein Nordlicht wie ich und genau so schweigsam. Wir hatten uns beide sichtlich auf unsere Reiselektüre gefreut und, nebenbei bemerkt, witzigerweise recht ähnlichen Proviant dabei (Stullen, Apfel, Wasser).

Er fliege halt nicht gern und innerhalb von Europa sei das auch wirklich nicht nötig, sagte er auf die einzige Frage hin, die ich ihm stellte: Warum mit dem Zug nach Oslo? Seine Anreise dauerte bereits den zweiten von drei Tagen an – von irgendwo aus Hessen kommend, mit einer Übernachtung in Schleswig-Holstein (wo er aufwuchs) und einer in Göteborg (wo wir uns schließlich mit einem flotten „Tschüss“ voneinander verabschiedeten).

Ich debütierte gerade in Sachen Slow Travel – mit einer 14-stündigen Zugfahrt an einem Tag von Hamburg nach Oslo. Über meine entsprechende Reiselektüre von Dan Kieran verlor er kein Wort (er schien nicht einmal auf den Buchtitel zu schielen). Ich glaube, er hatte einfach einen viel natürlicheren und direkteren Zugang zu dem Thema als ich. Auf der Fähre ab Puttgarden begegneten wir uns ab und zu und lächelten uns still an. In Kopenhagen stiegen wir dann regelrecht gemeinsam um und ich fragte ihn, ob wir uns nicht einfach wieder zueinander setzen wollten. Wir wollten. Wir hatten uns gefunden, ohne zu suchen. Wir gewährleisteten einander die Ruhe und den Abstand, den wir beide genießen konnten.

Seit sich unsere Wege trennten, bin ich einfach dankbar für diese Begegnung, weil ich einmal mehr verstanden habe, wo ich Meinesgleichen treffe: im Zug natürlich!

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2 Gedanken zu “Slow Travel – Silent Tavel | Gastbeitrag

  1. Hallo Dörte,

    den Herrn und dich kann ich sehr gut nachvollziehen! Ich ziehe Züge auch Flügen vor. Innerhalb weniger Stunden in einer komplett anderen Welt zu sein, ist so unwirklich! Das ist mir besonders bewusst geworden, als ich vor wenigen Tagen in Wien gelandet bin.

    Lieber Gruß,
    Philipp

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  2. Hi Dörte,
    hört sich schön an, eure Begegnung!

    Was mich leider oft am Zugfahren hindert sind die Preise. Liegt wohl auch an den Dumpingpreisen der Fluggesellschaften und nicht nur an den, im Vergleich dazu, teuren Zugticketpreisen. Dann fehlt auch oft noch die Zeit, besonders bei verlängerten Wochenendtripps zu Freunden oder Familie bzw. die Urlaubstage gehen „verloren“ und ich kann meine Mitreisenden nicht davon überzeugen sie für die Hin- und Rückfahrt aufzubrauchen.

    Ich versuche zwar weniger zu fliegen aber ich muss gestehen, dass es mir bis jetzt schlecht gelingt. Wenn ich allerdings schon fliege, dann bleibe ich lieber länger an einem Ort und koste ihn dabei voll aus. Ich lerne die Kultur und Leute kennen, suche mir vielleicht ein Lieblingsrestaurant etc. anstatt Cityhopping und Kurztrips zu veranstalten. Mein allererster Blogbeitrag vor etwas über einem Jahr ging über genau dieses Thema mit dem selben Titel: Slow Travel: http://grueneralltag.de/slow-travel

    Viele Grüße! ~Anne

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