Bianka

bianka-blavustyakBianka (about.me, Twitter: @bb_wortgewandt) ist seit Juli 2015 eine Minima Muse und hat sich den neugierigen Fragen von Dörte, Hanne (dieBeckerin) und mons7 gestellt.

Wo kommst Du her und wo lebst Du heute – und wo würdest Du gern in Zukunft leben (wenn das überhaupt woanders ist)?

Also, ich bin in meiner Kindheit und Jugend sehr viel umgezogen, inzwischen schon bestimmt 15 mal, war häufig nur ein oder zwei Jahre an einem Ort. Im Herzen bin ich Thüringerin, dort bin ich geboren und ich fühle mich in Wäldern und zwischen grünen Bergen einfach wohl. Eine längere Station in meiner Jugend war dann noch die Gegend um Aschaffenburg.

Im Moment wohne ich in einem großen Haus auf einem kleinen Dorf im Niemandsland zwischen Heilbronn und Ludwigsburg. Das Dorf ist so klein, dass es nicht mal einen Laden gibt, in dem man Lebensmittel kaufen könnte. 😉 Auch hier ist aber nur eine Zwischenstation.

Mich zieht es gerade sehr nach Berlin und ich fände es toll, wenn ich in ein paar Jahren (wenn die Kinder aus dem Haus sind) eine Phase meines Lebens dort verbringen könnte, in einer kleinen Wohnung vielleicht und ohne eigenes Auto. Ganz ganz langfristig gedacht fände ich es schön, unterwegs zu sein und mein Geld ortsunabhängig zu verdienen. Es gibt noch so viele Orte auf der Welt, die ich gerne kennenlernen möchte.

Wie (er)leben Deine Kinder selbst Minimalismus bzw. den Minimalismus ihrer Mutter?

Meine Kinder sind natürlich manchmal genervt, wenn ich sie bitte, nicht immer alles in den Gemeinschaftsräumen oder auf der Treppe zu ihrem Stockwerk rumliegen zu lassen, weil ich da Ordnung brauche oder wenn ich – mal wieder – bei ihnen Klamotten und sonst was aussortiere. Allerdings merken sie auch seit mehreren Jahren schon, dass es ihnen schwer fällt, einen Wunschzettel für Weihnachten zu schreiben, weil sie einfach eh schon von allem eher zu viel haben und gar nicht wirklich etwas brauchen.

Irgendwie haben wir es wohl von Anfang an richtig gemacht und bei ihnen stark unterschieden zwischen Bedürfnissen und Wünschen. Bedürfnisse wurden und werden sofort erfüllt, Wünsche können auch mal warten – und sind oft dann schon gar keine Wünsche mehr, sondern haben an Wichtigkeit und Bedeutung verloren.  Wovon die Kids (hoffentlich) auch profitieren ist zu sehen, dass man immer gleich alles wieder ordentlich machen kann und dann die Wohnung zum Beispiel nie so aussieht, dass man sich schämen würde Besuch zu bekommen. Wir haben das spielerisch als „Beweise beseitigen“ eingeführt, als sie noch klein waren. Klar lassen sie trotzdem manchmal Sachen liegen, aber ab und zu (und zunehmend!) räumen sie eben auch gleich wieder auf, was sie benutzt haben – zumindest in den gemeinschaftlich genutzten Räumen. Und wenn man nicht so viel Krempel hat, muss man natürlich auch nicht so viel aufräumen.

Welchen Besitz möchtest Du auf gar keinen Fall missen? Und auf was von dem, was dir durch Geld möglich wird, möchtest Du überhaupt nicht verzichten?

Meinen Laptop, mein Handy und meinen Internetzugang. Das ist für mich so als Dreigestirn mein Tor zur Welt und mein Kommunikationswerkzeug. Ich habe nur wenige Freunde hier vor Ort, die meisten meiner wirklich engen Freundschaften pflege ich über Mail, Twitter und Facebook. Und auch meine Arbeit erledige ich größtenteils online. Meine Auftraggeber sehe ich nur sehr selten, manche nie.

Und ich bin froh, dass mein Einkommen und meine finanziellen Rücklagen es mir erlauben, ab und an zu verreisen und das digitale Nomadenleben auszuprobieren. Das geht natürlich nicht sooo oft, weil die Kinder ja noch zu Hause wohnen und wir auch in den Ferien mit so vielen Personen eher schlecht wegfahren können, aber es ist immer mal wieder wie eine kleine Übung in Digitalnomadentum, zum Beispiel ein verlängertes Wochenende ins Elsass zu fahren oder in den Ferien zwei Wochen in einer anderen Stadt zu verbringen.

Setze das Credo „Weniger ist mehr“ doch mal für unsere LeserInnen konkret in den Kontext Deines Lebens: Wovon hast Du bereits mehr durch ein Weniger?

Ich habe ganz aktiv beschlossen, nicht voll zu arbeiten, obwohl die Kinder inzwischen ganz gut auch ohne mich zurechtkommen. Durch dieses Weniger an Arbeitszeit habe ich zwar weniger Geld, aber auch weniger Stress und deutlich mehr Zeit für die Kinder und auch für mich. Das finde ich sehr wichtig.

Oder ein anderes Beispiel: Anfang dieses Jahres wurde mir mein Auto kaputtgefahren. Die Reparatur lohnte nicht, der Restwert mit dem Schaden war nicht der Rede wert. Die Versicherung zahlte nix, weil kein Verursacher bekannt war. Das Auto hatte ich drei Jahre zuvor erst gekauft, zwar gebraucht, aber dennoch teuer. Es war ein kleiner Luxusschlitten, mit Sportausstattung und allem möglichen Pi-pa-po. Ich liebte dieses Auto und es bereitete mir großen Spaß, damit zu fahren. Nun war dieses Baby also kaputt und zwar unrettbar. Das viele Geld war verloren. Und dann hatte ich auch noch den Stress an der Backe, relativ schnell ein neues kaufen zu müssen. (Siehe weiter oben, wir wohnen auf dem Dorf ohne Lebensmittelgeschäft!) Ich stand nun also vor der Wahl, wieder Geld leihen zu müssen, um erstens das kaputte Auto komplett abzubezahlen und zweitens ein neues teures schickes Auto zu kaufen oder eben alternativ mich mit weniger zufrieden zu geben und einen Gebrauchtwagen ohne viel Schnickschnack zu kaufen, den ich dafür aber relativ problemlos bezahlen konnte. Ich habe mich schweren Herzens für den zweiten Weg entschieden. Ich gebe zu, ich habe lange gebraucht, um mich mit meinem neuen Auto anzufreunden. Aber ich habe das gute Gefühl gewonnen, auch mit weniger gut zurecht zu kommen und habe mir die Belastung eines neuen Kredites erspart. Und dann ist das neue Auto auch noch im Endeffekt größer. Weniger Ausgaben, weniger Stress, mehr Geld, mehr Auto, mehr innere Ruhe. Das war eigentlich so ziemlich meine erste bewusste minimalistische Entscheidung.

Gibt es in Deinem Leben den Konjunktiv noch, also ein „Ich würde / hätte / wollte doch immer mal…“ oder ein „Wenn doch nur …“?

Na klar! Man hat ja auch als Minimalistin noch Wünsche und Träume. Ich würde zum Beispiel gerne noch mehr ausmisten, aber ich kann mich von so manchem noch nicht trennen. Ich hätte gerne noch so dies oder jenes, auch wenn ich es nicht 100% brauche. Und ich wollte doch immer mal ganz lange reisen und von unterwegs arbeiten. Das sind Träume und Wünsche für die Zukunft, die ich mir irgendwann mal erfüllen werde – oder auch nicht. Wir werden sehen…

In welchem Lebensbereich empfindest Du Dich noch als Minimalismus-Anfängerin, wo erlebst Du Dich als „Fortgeschrittene“

Puh, also ich empfinde mich eigentlich in allen Lebensbereichen als Minimalismus-Anfängerin, wobei ich ehrlich gesagt noch nie wirklich eine Sammelleidenschaft hatte. Ich hab es als Jugendliche mal versucht mit Briefmarken und Zigarettenschachteln und fand das schon damals so unspannend, den Kram aufzuheben und zu horten, dass ich es schnell wieder gelassen habe. Das eher minimalistische Denken entwickelt sich bei mir in den letzten Jahren immer stärker und meine Entscheidungen über Anschaffungen zum Beispiel werden zunehmend von dieser Einstellung geprägt, Minimalismus als tatsächlicher Begriff kam mir aber erst vor gar nicht allzu langer Zeit unter.

Was ist Deine größte „Baustelle“ in punkto Minimalismus?

Bücher. Minimalistisch könnte ich es jetzt einfach bei diesem einen Wort als Antwort belassen, aber irgendwie ist das unhöflich, also führ ich das mal noch ein wenig aus. 😉 Ich liebe Bücher und ich hab schon immer viel gelesen. In den Jahren, als die Kinder klein waren, kam ich leider nicht so viel dazu, aber ich erobere mir das gerade wieder zurück und versuche auch, mir extra Zeit zu nehmen für Nicht-Fachbücher. Aber: Ich kann mich von Büchern nur sehr schwer trennen und bin da eher ein kleiner Hamster. Erschwerend kommt dazu, dass wir einen tollen Gebrauchtwarenladen haben zwei Dörfer weiter, in dem es immer superspannende Bücher zu entdecken gibt, die auch noch zu unschlagbaren Preisen zu haben sind. Und dann wird das Geld, das man dafür bezahlt, auch noch gespendet für gute Zwecke! Da muss ich mich immer sehr zusammenreißen, um nicht kistenweise Bücher nach Hause zu schleppen.

Minimalismus in allen Lebensbereichen? Gibt es etwas, wo Du bewusst im Übermaß lebst, obwohl Du Minimalistin bist?

Da muss ich jetzt lange nachdenken und mein erster Impuls ist zu schreiben, ich bin gar keine Minimalistin. Mit einem Haus mit 200qm Wohnfläche plus 3 Keller plus Dachboden und noch  mit Garten und Abstellraum kann ich mich irgendwie nicht so wirklich als Minimalistin fühlen. Andererseits ist das ja nur eine Station auf meinem Lebensweg und wir genießen es, so viel Raum zu haben – auch wenn es umso schwerer ist, den dann nicht zu füllen. Es ginge wohl auch mit wesentlich weniger Platz, die Kinder bräuchten kein eigenes Wohnzimmer und wir bräuchten auch nicht unbedingt ein Gästezimmer, ein Kellerraum würde vielleicht reichen und der Dachboden muss auch nicht sein, aber im Moment bietet uns unser Häuschen einfach ein verdammt gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ich habe beschlossen, diesen Überfluss einfach zu genießen und auszunutzen.

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