Sich positiv vom Kulturgut Buch trennen | Gastbeitrag

Dies ist ein gastbeitrag von Michael, der sich seit zwei Jahren intensiv mit dem Thema Minimalismus beschäftigt und hat dabei entdeckt, dass er im Inneren schon immer ein Minimalist war, dies aber früher kaum ausgelebt hat. Das hat sich geändert und in diesem Gast Beitrag berichtet er von seinem erfolgreichen Versuch seinen Buchbestand innerhalb eines Jahres von 800 auf 150 zu reduzieren.

Michael Grampp - BlogMichael lebt als Deutscher seit knapp 10 Jahren in der Schweiz in der Nähe von Zürich und arbeitet in der Forschung. Dort beschäftigt er sich unter anderem intensiv mit der Sharing Economy, wodurch er noch mehr das Teilen von Gütern und Dienstleistungen schätzen gelernt hat. In der digitalen Welt ist er ebenfalls eher minimalistisch unterwegs und betreibt keine eigene Webpage, eigenen Blog und ist auch nicht auf der Zeitverschwendungsmaschine Facebook unterwegs. Eine Nachricht schicken? Das geht natürlich, am besten an mgrampp@gmx.ch

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Sich positiv vom Kulturgut Buch trennen

Jeder kennt diese Herausforderung, Weiterlesen

Würde ich es noch mal kaufen?

Eine spannende Frage, die mich seit Tagen beschäftigt, wenn ich die Dinge in meiner Wohnung betrachte. Ich schneide pinke Schnipsel und lege sie auf die Sachen, die ich kein zweites Mal anschaffen würde, und trinke gemütlich Kaffee. Ich sammle die Schnipsel wieder ein.

Am nächsten Tag verteile ich die Schnipsel wieder. Mein Besuch schaut auch schon ganz komisch. Dann trenne ich mich von den Dingen. Jedes Teil weniger fühlt sich gut an. Ich putze zum letzten Mal meinen alten Herd und schon findet er einen neuen Besitzer „Bevor du den auseinanderbaust …“ 

Nach zwei Jahren ausmisten nervt es mich nur noch, Zeit und Energie aufzubringen, die Sachen wieder loszuwerden. Im ersten Jahr hab ich meinen Schraubenkasten noch vier Stunden aufgeräumt. Jetzt greife ich nur kurz rein und schmeiße eine Handvoll Schrauben weg.

Wenn ich Möbel aufbaue, sind jedes Mal Schrauben dabei. Ich brauche also keine auf Vorrat. So geht es mir mit vielen Dingen. Ich will einfach keine Lebenszeit mehr mit Dingen verbringen, die mir keinen Nutzen bringen oder die ich mir leihen kann: magnetische Wasserwaage. Leute, ich sag euch! Ich liebe meine Dachdecker!

 

Frauengespräche oder: wie alles begann

Vor drei Jahren telefonierte ich mit meiner Mutter. Sie fragte, was da so ein Krach macht (Mütter hören alles).
Ich so: „Ich zupfe meine 15 Balkonpflanzen.“
Sie: „Das hab ich alles reduziert. Ich hab nur noch eine. Und was machst du jetzt?“
Ich: „Ich staube meine Schränke ab mit der Hand.“
Sie: „Das hab ich alles verkleinert. Ich hab nur noch kleine Kommoden. Geschlossene. Dann staubt nix zu.“

Das war mir Ansporn nach meinem 39. Geburtstag noch weiter zu reduzieren. Meine Gäste fanden meine Wohnung da schon schön übersichtlich und erholsam. Ich traf eine Gästin wieder nach der Feier:

Sie: „Ich hab es auch getan.“
Ich: „Was getan?“
Sie: „Wie DU.“
Ich: „Wie ICH?“
Sie: „Reduziert. Ich hab alles zur Givebox gebracht. Und ich mache noch weiter.“

Unter uns: Ich fing nach der Party erst R I C H T I G an mit Ausmisten. Ich schrieb mir jeden Montag einen Zettel mit 7 Sachen, die in der Woche rausflogen. Wichtig war mir, Entscheidungen zu treffen und die Dinge wirklich loszuwerden und nicht nur umzuschichten oder in den Keller zu verlagern.
Die Aktion ging ein Jahr und war zeitweise echt anstrengend. 70 % meiner Sachen sind weg. Inklusive Teich und Balkondach. Keller und Speicher sind seitdem leer geblieben. Darüber freue ich mich jeden Tag. Meine Sachen sind genau auf mich abgestimmt. Ich bin frei. Ein Umzug in eine neue Stadt macht mir jetzt keine Angst mehr. Mit einer Balkonpflanze.

„Die Wohnung ist leer und man findet keinen Krümel Plastik“

Jaja. Meine Tochter macht gerne ihre Scherze. Besitz ist zeitaufwendig. Das merke ich, seit ich 70 % der Sachen reduziert habe. Alles, was nicht da ist, macht keine Arbeit. Und fehlt nicht. Ich wollte nicht nur weniger Sachen, sondern die Dinge sollten auch leichter werden. Die Möbel lassen sich jetzt auf einem Handtuch verschieben oder ich klemme sie mir einfach unter den Arm.

Die Küche kann ich in 10 Minuten abbauen und umziehen. Alle Geräte lassen sich vorziehen und dahinter sauber machen. Auch das ist für mich Freiheit. Ich mag keine EINBAUküchen. Ich esse Rohkost oder koche einfache Sachen aus 5 frischen Zutaten und würze nur mit Salz. Seitdem ist essen ein Geschmackserlebnis. Ohne Vorräte muss ich nix planen, räumen oder eine Kühltruhe finanzieren oder abtauen.

Ich habe keine Termine mehr in meiner Freizeit. Ich entscheide einfach 5 Minuten vorher, was ich mache. Endlich bin ich glücklich. Ich hatte schon immer gerne wenig Sachen. Meine große Ausmistaktion 2012 fing an mit 5 Büchern und 10 CDs. Viel zu viel.

 

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