Würde ich es noch mal kaufen?

Eine spannende Frage, die mich seit Tagen beschäftigt, wenn ich die Dinge in meiner Wohnung betrachte. Ich schneide pinke Schnipsel und lege sie auf die Sachen, die ich kein zweites Mal anschaffen würde, und trinke gemütlich Kaffee. Ich sammle die Schnipsel wieder ein.

Am nächsten Tag verteile ich die Schnipsel wieder. Mein Besuch schaut auch schon ganz komisch. Dann trenne ich mich von den Dingen. Jedes Teil weniger fühlt sich gut an. Ich putze zum letzten Mal meinen alten Herd und schon findet er einen neuen Besitzer „Bevor du den auseinanderbaust …“ 

Nach zwei Jahren ausmisten nervt es mich nur noch, Zeit und Energie aufzubringen, die Sachen wieder loszuwerden. Im ersten Jahr hab ich meinen Schraubenkasten noch vier Stunden aufgeräumt. Jetzt greife ich nur kurz rein und schmeiße eine Handvoll Schrauben weg.

Wenn ich Möbel aufbaue, sind jedes Mal Schrauben dabei. Ich brauche also keine auf Vorrat. So geht es mir mit vielen Dingen. Ich will einfach keine Lebenszeit mehr mit Dingen verbringen, die mir keinen Nutzen bringen oder die ich mir leihen kann: magnetische Wasserwaage. Leute, ich sag euch! Ich liebe meine Dachdecker!

 

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Frauengespräche oder: wie alles begann

Vor drei Jahren telefonierte ich mit meiner Mutter. Sie fragte, was da so ein Krach macht (Mütter hören alles).
Ich so: „Ich zupfe meine 15 Balkonpflanzen.“
Sie: „Das hab ich alles reduziert. Ich hab nur noch eine. Und was machst du jetzt?“
Ich: „Ich staube meine Schränke ab mit der Hand.“
Sie: „Das hab ich alles verkleinert. Ich hab nur noch kleine Kommoden. Geschlossene. Dann staubt nix zu.“

Das war mir Ansporn nach meinem 39. Geburtstag noch weiter zu reduzieren. Meine Gäste fanden meine Wohnung da schon schön übersichtlich und erholsam. Ich traf eine Gästin wieder nach der Feier:

Sie: „Ich hab es auch getan.“
Ich: „Was getan?“
Sie: „Wie DU.“
Ich: „Wie ICH?“
Sie: „Reduziert. Ich hab alles zur Givebox gebracht. Und ich mache noch weiter.“

Unter uns: Ich fing nach der Party erst R I C H T I G an mit Ausmisten. Ich schrieb mir jeden Montag einen Zettel mit 7 Sachen, die in der Woche rausflogen. Wichtig war mir, Entscheidungen zu treffen und die Dinge wirklich loszuwerden und nicht nur umzuschichten oder in den Keller zu verlagern.
Die Aktion ging ein Jahr und war zeitweise echt anstrengend. 70 % meiner Sachen sind weg. Inklusive Teich und Balkondach. Keller und Speicher sind seitdem leer geblieben. Darüber freue ich mich jeden Tag. Meine Sachen sind genau auf mich abgestimmt. Ich bin frei. Ein Umzug in eine neue Stadt macht mir jetzt keine Angst mehr. Mit einer Balkonpflanze.