Zeitwohlstand

Wieder einmal bin ich dank Twitter über etwas gestolpert, dessen ich mir unbewusst bereits bewusst war, aber mir fehlte ein Name, eine Bezeichnung dafür:

Zeitwohlstand? Na klar, Zeitwohlstand!

Wo es Zeitnot gibt – und ganz ehrlich, davon gibt es in unserer Gesellschaft doch wohl mehr als genug – muss es auch Zeitwohlstand geben. Wikipedia sagt, Zeitnot bezeichnet das Fehlen verfügbarer Zeit. Zeitwohlstand ist dann wohl das Vorhandensein verfügbarer Zeit.

Irgendwie fühlt sich das Konzept so richtig an. Als (angehende) Minimalistin tausche ich meinen materiellen Wohlstand in Form von Besitz immer mehr in einen zunehmenden Zeitwohlstand. Auch materieller Wohlstand, der die Form von Erwerbsarbeit hat, wird für mich persönlich immer mehr durch immateriellen Zeitwohlstand eingetauscht.

Ich fühle mich reich, trotz wenig Geld und Besitz

Ich habe weniger Geld zur Verfügung als ich es wohl hätte, würde ich mehr arbeiten. Dafür habe ich mehr Zeit zur Verfügung. Und ich tausche beispielsweise nicht mehr meine Zeit gegen Geld gegen Lebensmittel, indem ich arbeiten gehe, um vom verdienten Geld einzukaufen. Sondern ich tausche meine Zeit auf direktem Weg gegen Lebensmittel, indem ich mich z.B. bei Foodsharing engagiere. Und ich fühle mich unendlich reich, obwohl – oder vielleicht eben weil – wir von eigentlich echt wenig Geld leben und auch nicht viel Besitz unser eigen nennen.

Wie geht es euch so? Kanntet ihr das Konzept schon? Habt ihr noch Lesetipps dazu für mich?

Advertisements

7 Gedanken zu “Zeitwohlstand

  1. Hallo Bianka,

    ja, als Zeitmillionärin fühle ich mich weil mein Kind erwachsen ist und ausgezogen. Ich muss z. B. nicht mehr kochen oder mich nach jemandem richten. Luxus sind die wenigen Dinge. Weil mich nur noch Lieblingssachen umgegeben, die ich gerne pflege. Bewährt sich etwas nicht, muss es gehen. Kann man auch Verschwendung nennen. Für andere Dinge ist mir meine Lebenszeit zu schade. Ich bin Menschen sehr zugewandt. Das gefällt mir. Meine Aufmerksamkeit ist ein Geschenk. Ja, ich genieße den Moment und lebe viel bewusster. Wobei mich ein Überfluss an Zeit auch langweilen und stressen kann. Ich suche mir dann neue Projekte. Studiere wieder.

    Liebe Grüße – Tanja

    Gefällt mir

  2. Hallo Bianka,

    ich bin auch Zeitmillionärin. Der Einstieg kam durch den Minimalismus und die zunehmende Überlegung, was mir im Leben wirklich wichtig ist. Und als Introvertierte war das ganz klar: viel Zeit für mich. Ich habe meinen gutbezahlten Job in der Industrie (inkl. permanentem Druck & Mobbing) geschmissen und arbeite jetzt in einem einfacheren Job 25 Stunden pro Woche fürs halbe Gehalt, das ich vorher bei 30 h hatte. Aber jetzt bin ich befreit von „das hätte am besten vorgestern erledigt sein sollen“ und affigen Managertypen. Durch den jahrelangen Minimalismus und die damit verbundene „Konsum-Bescheidenheit“ hab ich mir ordentlich was zusammen sparen können als Polster für schlechte Zeiten. Mit dem kleinen Gehalt komme ich über die Runden, und ich genieße die Freiheit und schätze gleichzeitig die Struktur, die der kleine Job mir in den Alltag bringt. Fühlt sich für mich ausgewogen an. Ich arbeite von 7-12 Uhr, und so liegt noch ganz viel Tag und Zeitluxus vor mir. Ein kleiner Nebenjob, den ich nur aus purer Freude gelegentlich ausübe, ist noch das kleine I-Tüpfelchen für mich.

    Bei allem, was ich mir „extra“ kaufen möchte, überlege ich vorher, ob es wert ist, dafür XY Stunden im Büro gearbeitet zu haben. Denn es ist tatsächlich so: Ich zahle nicht mit Geld, sondern mit Zeit. Denn für das Geld habe ich Lebenszeit geopfert.

    Dennoch habe ich es schön, lebe nicht karg und schmucklos, sondern investiere nur in das, was mich glücklich macht. Und da ich viel Zeit Zuhause verbringen, ist es mir wichtig, dass ich mich hier wohl fühle.

    Ein Leben wie früher mit Vollzeitjob und kompensierendem Kaufen-Kaufen-Kaufen kann ich mir nicht mehr vorstellen. Es erfüllt mich nicht mit Sinn.

    Liebe Grüße
    Sofaheldin

    Gefällt mir

  3. Hallo!

    Ich lebe auch in Zeitwohlstand und genieße das sehr. Im Gegenteil – ich will noch mehr davon 🙂 und das ist auch realistisch.

    Übrigens halte ich es auch so wie Du – der direkte Tausch meiner Zeit gegen Lebensmittel z.B. bei foodsharing.

    lg
    Maria

    Gefällt mir

  4. Hallo Bianka,
    danke fürs zitieren:-)
    Und ich freue mich über die Inspiration.
    Zur Info an alle Interessierte.
    Wir organisieren uns vor Ort (auf der Republica) unter dem #RpTENmini auf Twitter.
    Liebe Grüße aus Berlin
    Eugenia

    Gefällt mir

  5. Was für ein tolles Wort, das übernehme ich direkt in meinen aktiven Wortschatz!

    Ich bin gerade dabei, mein Leben zu entrümpeln und gerade ist der Fernseher weggekommen. ich freue mich nicht nur über den neugewonnenen Platz in meiner Wohnung sondern auch über die Zeit, die ich jetzt mehr habe. Ich kann nicht behaupten, dass ich viel Fernsehen geguckt habe, aber das war doch immer mal so ein „Zeitvertreib“. Als ich meiner Schwester davon berichtet habe, war sie ganz erschrocken und fragte mich, ob ich mir denn jetzt wenigstens was anderes „gönne“. Hätt´ich doch da schon das Wort „Zeitwohlstand“ gekannt, das hätt´so gepasst. So habe ich Ihr mit meinen Worten erklären müssen, das sich die Zeit so unendlich genieße, die ich jetzt mehr zur Verfügung habe.

    Gefällt mir

  6. Liebe Bianka,

    wusstest Du, dass es sogar einen Wikipedia-Artikel zu „Zeitwohlstand“ gibt?!? 😉

    –> https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitwohlstand

    Und hier habe ich sogar einen ganzen Reader mit verschiedenen Artikeln – unter anderem von Niko Paech – gefunden, der das Wort „Zeitwohlstand“ als Titel trägt: http://www.konzeptwerk-neue-oekonomie.org/abgeschlossene-projekte/zeitwohlstand/

    Und dann möchte ich noch aus einem Text zitieren, der in einem „Zeitglossar“ auf zeitpolitik.de als PDF zum Download bereit steht – und der deutlich macht, dass es nicht nur um ein Mehr an Freizeit als Gegensatz zur Arbeitszeit geht, sondern überhaupt darum, angemessen viel zeit für JEDE Tätigkeit zu haben:

    „Positiv gewendet geht es beim Zeitwohlstand um die strukturelle Voraussetzung, das jeweils rechte Maß an Zeit für eine Tätigkeit zu ermöglichen: Viele Tätigkeiten sind einfach angenehmer, wenn man sie stressfrei erledigen kann. Der Begriff des Zeitwohlstandes steht unter diesem Aspekt dem Begriff der Zeitsouveränität nahe, die eine wichtige Voraussetzung für das zeitliche Wohlbefinden ist, welches aus dem Zeitwohlstand resultieren soll.“

    Quelle: http://www.zeitpolitik.de/pdfs/zeit-glossar.pdf (PDF)

    Sonnige Grüße aus einem Tag der Muße
    Dörte

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s