Minimalismus – Vom Sinn (und Unsinn) der Zählerei

Project333-buttonAlles fing mit dieser 100-Dinge Geschichte an. Es spalteten sich auf einmal die Geister derer, die doch ein ganz großes gemeinsam hatten. Eine minimalistische Lebenshaltung.

So auch heute wieder auf Facebook. Die ganz unschuldige Frage, wie man denn seine Sachen zähle, also nach welchen Regeln (Antwort: Jeder definiert das für sich selber), führte – unterschwellig mit viel Leidenschaft geführt – zu ähnlicher Diskussion. Auf der einen Seite, zählen macht Sinn und Freude und ich mache das so, auf der anderen Seite, warum denn überhaupt die eigenen Erbsen zählen?

Ganz spontan hat mich Miki mit ihrem Kommentar zum Nachdenken über Sinn und Unsinn des Zählens, und damit zu diesem Blogpost gebracht.

ich finde die definitionen, was eine zu zählende einheit ist, nicht uninteressant, jedoch tut sich mir die frage auf, was der sinn der zu ermittelnden zahl ist. was sagt sie aus? ist es möglich, über diese zahl den grad von minimalismus zu ermitteln? und wenn ja, ist es sinnvoll? was bringt der vergleich mit anderen? ist er überhaupt möglich? hat nicht jeder von anderen dingen wenig oder viel?

Warum hassen wir die 100 oder welche Zahl auch immer?

  • Sie sind willkürliche Setzungen. Und willkürlich ist unbegründet. Irgendwie sinnfrei. Warum beim Projekt 333 gerade 33 Kleidungsstücke? Warum nicht 31? Oder 38?
  • Sie setzen einen unter Druck, weil sie eine Maßstab vorgeben wollen, der vielleicht nicht unbedingt meiner ist. Vielleicht muss ich meinen Maßstab nämlich erst einmal finden.
  • Sie machen Menschen berühmt. Aber ich will im Grunde keine Vorbilder. Ich möchte meinen eigenen Weg finden, anstatt jemandem nachzueifern.

Warum lieben wir die hundert oder welche Zahl auch immer?

  • Sie geben uns eine Orientierung. Neuhochdeutsch einen „Benchmark“.
  • Es macht Spass, damit zu spielen.
  • Sie regen uns an, uns und unsere Haltung zu hinterfragen.

Welchem Lager schlägst Du Dich zu? Hast Du Spass am Zählen, oder nerven Dich zahlen insbesondere im Zusammenhang mit Minimalismus nur?

Fragt @mons7.

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12 Gedanken zu “Minimalismus – Vom Sinn (und Unsinn) der Zählerei

  1. Danke, danke, danke für deinen Blogpost – du sprichst mir so etwas auf dem Herzen!
    Diese unsinnige Zählerei geht mir total auf den Geist, und immer diese Selbstbeweihräucherung der sog. Minimalisten, die stolz mit 100 Dingen angeben… Naja, wenn es sie glücklich macht und sie daraus ihr Selbstwertgefühl beziehen… Aber ich möchte mich und mein Leben nicht durch eine Zahl defininieren – das ist mir viel zu viel vom neoliberalen, quantitativen Konkurrenzdenken, ständig besser als die anderen sein zu müssen und sich über die anderen zu erheben zu wollen. Ich habe deshalb die Minimalistengruppen auf FB verlassen – da habe ich mal ordentlich minimalisiert 😉

    Minimalismus ist für mich NICHT der Besitz einer möglichst kleinen Anzahl von Dingen, sondern der behutsame Umgang mit unseren Lebensgrundlagen, unseren ökologischen, ökonomischen und menschlichen Ressourcen. Also im Prinzip eine Abkehr vom Wahnsinn der kapitalistisch-neoliberalen Wirtschaft und zurück zum einfachen Leben. Der Weg dahin ist allerdings noch weit…

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  2. Toller Post, liebe Mons! Die 100 Sachen-Leute benutzen ja meist mit bei anderen. Unterwegs braucht man ja auch nix großartiges, oder? Ich zähle pro Kategorie wo ich sonst maßlos bin, z. B. Schuhe. Möchte einfach nicht mehr als 9 Paar besitzen. Dann hab ich einen Maßstab für mich. Ich mag die Zählerei auch nicht und den Wettbewerb in der Blog-Szene. Deswegen hab ich mich auch zurückgezogen. Besitz um den ich mich gerne kümmere und der mir einen Nutzen bringt, ist jetzt meine Definition von optimalem Besitz. Was das ist, muss man ausprobieren und bleibt ein Prozess weil sich die Interessen ändern. Es kommt auch sehr auf die Lebenssituation an. Was ist mein Ziel? Will ich gerade E-Gitarre lernen oder reicht mir der Laptop. Ich finde auch wichtig sich nicht Erfahrungen durch Minimalismus zu nehmen. Deshalb frage ich mich seit ein paar Monaten, ob ich mir eine Kamera kaufe oder nicht.
    Liebe Grüße – Tanja

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  3. Ich mag die 100 🙂 aber nur in dem Zusammenhang das ich 100 Jahre Alt werden möchte 🙂
    Ansonsten finde ich diese Zählerei beim Minimalismus ziemlich Sinnfrei. Ich habe meinen Besitz noch nie gezählt, ist mir völlig Wurscht ob das nu 100 oder doch 110 578 Dinge sind. Mir ist wichtig das alles was noch da ist mir Freude macht und mich nicht nervt. Das Platz ist zum Atmen und es Übersichtlich ist.
    Aber wer zählen will soll das gerne tun und sich gerne auch mit anderen in einen Wettkampf begeben. Mathe hat mich in der Schule schon genervt 😀
    Liebe Grüße
    Aurelia

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  4. Ich zähle nicht und sehe darin – für mich – auch keinen Sinn. Sinn sollen jedoch die Dinge machen, mit denen ich mich umgebe. Und das ist eine ganz individuelle Geschichte sowie ein Weg, zu dem man sich bewußt (oder unbewußt wie ich bei mir in der Rückschau erkennen konnte) entschlossen hat.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

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  5. In letzter Zeit hab ich gar nicht mehr so viel von der Zählerei gelesen (hab da wohl aussortiert 😉 ), Aber als ich angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, kam mir das öfter unter. Und ich hab mich immer gefragt, wozu? Klar kann ich mit 100 Sachen leben, wenn ich digital arbeite und als Nomade um die Welt reise, aber es kam mir immer so vor, als wäre das das einzig erstrebenswerte Ziel. Mich macht es aber glücklich, zu Hause zu bleiben und komplizierte Handarbeiten zu machen, die einiges an Zubehör brauchen, da wäre es doch albern, jetzt eine digitale 100-Dinge-Nomadin werden zu wollen, bloß um minimalistisch zu sein (oder zu scheinen). Mehr als die Zahl 100 hat mich immer gestört, dass diese Lebensweise – kündige deinen Job, arbeite selbstbestimmt, schreibe ein Buch und reise um die Welt – als das einzig Erstrebenswerte erscheint. Als wäre eine „abhängige“ Arbeit auf jeden Fall und immer ein Gefängnis, aus dem man ausbrechen muss. Dass feste Lebensstrunkturen für manche Menschen kein Gefängnis, sondern etwas sehr Angenehmes sein können, schien da nie im Bereich des Möglichen zu sein.

    Sowas wie Projekt 333 leuchtet mir mehr ein – klar ist das auch eine willkürliche Zahl, aber eben schön griffig, und man kann dadurch am Thema Kleidung arbeiten, wenn man merkt: Da ist ein Thema für mich, da will ich wirklich minimalistischer werden. Ich mach das nicht, weil ich eh nicht so viel Kleidung habe. Und weil ich die Waschmaschine vollkrigen will. Aber mir hilft es bei anderen Dingen, mir selbst eine irgendwie griffige schöne Zahl als Grenze zu setzen

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  6. Diese Geschichte mit den 100 Teilen ist für mich ja echt schon eine Lachnummer.

    Diese Leute, die sagen, dass sie ja gar nichts brauchen, gaaaanz wenig Besitz haben, gabs früher auch schon, die kenne ich auch noch aus den 80-er’n. Einmal war mal einer bei mir zu Besuch und ist restlos unverschämt verschwendend mit meinen Lebensmitteln umgegangen. Wenn man auf Kosten anderer lebt, ist es natürlich einfach mit wenig eigenen Dingen auszukommen…

    Tja – und welche Chancen hätte ich bei einer solchen 100-Zählerei? Keine! Wegen meiner Schwerhörigkeit brauche ich Hörgeräte (sind die dann ein oder zwei Dinge?) und für die Batterien. Die kaufe ich gleich immer mindestens im 60er-Pack. Na super: 2 Hörgeräte, 60 Batterien, 1 Aufbewahrungsbehälter für die Höri’s, blieben noch 37 Teile … 😂
    Und als ich dann neulich bei Facebook gelesen habe, dass sich da jemand mit 10(!) Hosen als Minimalist bezeichnet, na da lach ich mich halb schlapp – gut vielleicht hatte er vorher 20 oder 30…. habe dann diese Facebook-Gruppe auch mal minimalisiert 😉

    Minimalismus wäre für mich perfekt, wenn ich mich mit dem ganzen Krams nicht beschäftigen muss, weil alles passt. Dann ist nämlich Zeit für Interessanteres als die Menge oder Nicht-Menge von Krams. Ok, da bin ich dann auch noch nicht…

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  7. Mich amüsiert, dass unter diese grandiosen Zahlen selten die Socken und Unterwäsche fallen. Es sind nur Oberteile.
    Für mich gibt es eine magische Zahl drei – bei Lippenstiften. Diese Anzahl reicht, damit ich mich jeden Tag anders schön fühlen kann. Vor zwei Jahren hatte ich wesentlich mehr Lippenstifte. Diese Zahl ist nur für mich wichtig.

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  8. Die digitalen Nomaden leihen sich dann aber auch einen Mixer oder Schüssel aus von Leuten, die mehr als 100 Teile besitzen. Das funktioniert nur, wenn die Nomaden eine kleine Minderheit bilden oder eine Gemeinschaft, etwa einen Häuserblock, die extrem gut vernetzt ist. Funktioniert das aber auch, wenn das Internet ausfällt? Da tun sich mir neue Fragen auf, aber das ist ein ganz anderes Thema.

    Ansonsten bedeutet Minimalismus für mich auch weniger Vergleichen. Die Zählerei ist für mich demnach irgendwann nicht mehr minimalistisch, sondern wieder ein Wettbewerb.

    Meine Beschränkung ist das Billyregal und leider habe ich immer noch zuviele Bücher. Aber ich werde immer besser beim Ausmisten 🙂

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  9. Ich stehe ganz klar auf der Seite „Überhaupt nix zählen“. Mir ist es im Grund völlig egal ob ich 10, 100 oder 1000 Dinge besitze. Wichtig ist mir, dass mich die Dinge, die ich besitze, glücklich machen (oder dass es sich zumindest um nützliche Gebrauchsgegenstand handelt). Mein Zeug zu zählen verschwendet mir schon wieder viel zu viel Zeit. Zeit, die ich genauso gut zum Entspannen nutzen kann.

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  10. minimalismus ist für mich, mit so wenig arbeit (freizeitverzicht) wie möglich, genug geld wie nötig zu erwirtschaften, um ein einfaches entspanntes leben zu führen. auch leere ich seit geraumer zeit meine schränke, pö a pö … mein ziel alle meine dinge passen in nur einen schrank (h 2,30, b 1m, t 0,60m) .
    eine definition über die 100 dinge, lehne ich für mich ab. wenig zu besitzen muss ich nicht an einer zahl festlegen

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