Meine erste Lebensmittel-gerettete Mahlzeit

Foodsharing-Fahrrad-1

Gestern habe ich mich bei foodsharing.de angemeldet. Heute bin ich davon auch schon einmal satt geworden. Die digitale Karte hat mir nämlich verraten, dass ich seit Jahren nur wenige Meter entfernt an einem so genannten Fair-Teiler vorbeiradele, ohne diesen bislang wahrgenommen zu haben: Am Bahrenfelder Steindamm, Ecke Stresemannstraße steht ein umfunktionierte Fahrrad mit mehreren Körben – heute Nachmittag zwar nicht sonderlich gefüllt, doch immerhin einen Apfel und ein Stück Melone daraus ließ ich mir schmecken.

foodsharing-obst

Mit dieser Stärkung beginne ich ein neues Experiment: Gelingt es mir, meinen täglichen Bedarf zunehmend über selbst angebaute, geteilte und gerettete Lebensmittel zu decken? Das möchte ich ernsthaft herausfinden. Und dafür werde ich mich möglichst rasch zum Foodsaver qualifizieren, um so richtig mitzumachen beim Lebensmittel retten in Hamburg.

Mich überzeugt das Konzept von foodsharing e.V. sehr, …

  • … weil jede/r sich von diesen geretteten Lebensmitteln etwas nehmen darf (entweder als Foodsaver selbst oder als Abholer bei einem der Fair-Teiler), ohne Bedürftigkeit nachweisen zu müssen. Warum mir das so wichtig ist? Weil ich eben auch gern dem Konsumwahn ausweichen und mich einer alternativen Form des Wirtschaftens anschließen möchte, obwohl ich genug verdiene, um im Feinkostladen einzukaufen zu können.
  • … weil die Macher/innen von foodsharing.de ein partnerschaftliches Verhältnis mit den Betrieben anstreben, die Nahrungsmittel spenden, statt sie wegschzumeißen. Das nächtliche Mülltauchen in der juristischen Grauzone mag ja abenteuerlich aufregend sein – mir liegt das geregelte Foodsaver-Leben da wohl doch mehr. 🙂
  • .. weil obendrein jede/r mitmachen kann, auch ohne Foodsaver zu sein: Melde Dich einfach auf foodsharing.de an und Du hast jederzeit eine tolle Gelegenheit, in einem privaten Essenskorb abzugeben, was Du (zum Beispiel kurz vorm Urlaub oder nach einer Familienfeier) zu viel im Brotfach, Regal oder im Kühlschrank hast.
  • … weil hier eine sehr offene Geben-und-Nehmen-Kultur mit einem Selbstverständnis etabliert wird, welches meinem eigenen philosophischen Credo entspricht (darum liebe ich ja auch die  Tauschkiste so sehr…),
  • … weil das Ganze eine brisante politische Dimension hat: Es muss endlich aufhören, dass in den Industrienationen im großen Stil Lebensmittel sinnlos vernichtet werden. Die Konsum- und Kapitalismuskritik, die für mich damit verknüpft ist, wird auf sehr wertschätzende und nachhaltige Weise zum Ausdruck gebracht.

foodsharing-de

Zu verdanken habe ich meine neue Mission übrigens der wunderbaren Liselotte Roosen aus Trondheim (Norwegen), die sich seit letztem Jahr ausschließlich von geretteten Lebensmitteln ernährt. Ich bin in dieser Woche im Netz zufällig über ihren Gastbeitrag auf RobGreenfield.TV gestolpert und hab sie kurzerhand um ein Interview gebeten. Wenn sie weiterhin so fix alle meine Fragen beantwortet, bekommt Ihr am Wochenende dieses höchst spannende und inspirierende Interview mit ihr zu lesen! Schaut doch jetzt schonmal auf ihrem Blog (auf englisch) vorbei.

Und Ihr? Wer von Euch nutzt foodsharing.de? Und wer von Euch rettet anderweitig Lebensmittel aus Supermärkten, Bäckereien oder von Wochenmärkten usw. vor der Vernichtung? Ich bin fix gespannt, von Euch zu lernen!

PS: Am Sonntag bringe ich aus meinem Schrebergarten „überschüssige“ Kräuter mit und trage selbst etwas zu diesem ehrenvollen Geben und Nehmen bei.

*

https://verrueckteshuhn.wordpress.com/2015/07/10/das-huhn-ladt-ein-zur-4-runde-von-einfach-nachhaltig-besser-leben-einab/ Dieser Post ist ein Beitrag zur Linkparade „Einfach. Besser. Nachhaltig. Leben“ vom Verrückten Huhn.

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11 Gedanken zu “Meine erste Lebensmittel-gerettete Mahlzeit

  1. Oha, ein paar überschüssige Kräuter und die ein oder andere Zuchini hätte ich derzeit auch anzubieten. Leider kenne ich hier noch keinen Fair-Teiler (tolles Konzept!), aber ich werde mich mal anmelden 🙂
    Danke für’s Teilen – und wenn du Lust hast, gib es mit zu unserer Linkparade „Einfach. nachhaltig. besser. leben“: https://verrueckteshuhn.wordpress.com/2015/07/10/das-huhn-ladt-ein-zur-4-runde-von-einfach-nachhaltig-besser-leben-einab/ Viele Grüße, Marlene

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      • Ich hab mich jetzt auch angemeldet, obwohl es bei mir in der Gegend recht mau aussieht. Muss ich meinen eigenen FairTeiler aufstellen 🙂 Schön, dass du den Beitrag zur Linkparade gegeben hast, vielleicht fühlen sich ja noch mehr Leute dadurch berufen, Foodsharer zu werden! Viele Grüße & ein schönes Wochenende, Marlene

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  2. Eine ganz tolle Sache, aber es funktioniert dann ja doch nur in den größeren Städten. Hier aufm Land ist das Prinzip leider weniger zugänglich. Erste Anfänge via FB waren nicht erfolgreich.
    Wünsche euch aber viel Erfolg.

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  3. Hallo Eva, hallo Tanja,

    ich halte die Großstadt grad nicht für einen Vorteil. Überall, wo es Läden gibt, die Lebensmittel verkaufen, gibt es die gleiche Rpoblematik. Und überall, wo Menschen wohnen, haben Menschen was über, was ihnen zu verderben droht. Grad gestern an meinem ersten foodsharing-Tag hatte ich in diesem Rahmen ein Großstadt-typisches Erlebnis, das mich sehr verstimmt hat und mich fast dazu gebracht hat, es doch wieder sein zu lassen. 😦

    Zeit und Lust sind ja immer relativ. Ich hab zurzeit vor allem Lust, mein bestehendes Wirtschaften (in jeglicher Hinsicht) in Frage zu stellen – und wenn ich nicht mehr auf „industrienationale“ Art und Weise meine Nahrung ergattern möchte (mit Geld in den Laden gehen), werd ich mir die Zeit für andere Formen des Jagens, Sammelns und Anbauens nehmen müssen. 😉

    Es ist natürlich einfacher, sich einer bestehenden Gruppe anzuschließen, als erst eine gründen zu müssen. Naja, „leichter“ ist auch relativ. 😉 Gestern dachte ich so bei mir, dass Gründen eben auch emotionale Vorteile hat im Vergleich zum „In-eine-Gruppe-neu-reinkommen“…

    Liebe Grüße
    Dörte

    PS: Ich freu mich riesig, dass Du immer noch „da“ bist, Tanja! winke

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    • Ich/wir werden weiterhin im Supermarkt einkaufen gehen. Aber immer häufiger zum Minimarkt mit vielen regionalen Produkten. Zudem bauen wir in unserem Garten immer eeiniges Obst und Gemüse an, welches zwar nicht ausreicht zur kompletten Selbstvrrsogung, wir sind aber auch 5 Personen.
      Das Bewusstsein zumnidest für foodsharing ist hier noch nicht angekommen. Viele Lebensmittel gehen aber an die hiesige Tafel.
      unser Hauptaugenmerk liegt aber auch eher auf regionaler, saisonaler und palmölfreier Ernährung und muss vereinbar sein mit unserem Haushaltsbudget. Nicht immer einfach.

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    • Das Hauptproblem im ländlichen Gebiet sind leider die dort fehlenden Helfer. In Großstädten gibt es viel mehr „junges Volk“ in Form von Studendten, die sich dann dort engagieren. Und sei es nur aus Eigeninteresse. Ich engagiere mich selbst auch in der Community und muss feststellen, dass es auf dem Land / Dorf viel mehr Blockaden zu lösen gibt, kostenlose Lebensmittel überhaupt erstmal anzunehmen. Das bedarf viel Aufklärungsarbeit. Und aus den wenigen, die dann abholen, auch ein paar neue Foodsaver zu gewinnen, ist schwer, aber nicht ganz unmöglich.

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  4. Hallo Dörte,

    ich habe in Jerusalem Lebensmittel vom Markt gerettet und darüber auch schon mal berichtet. Ich finde jeden Schritt in Richtung weniger Lebensmittelverschwendung den richtigen!

    Zur Zeit arbeite ich bei einer Fernsehproduktion mit Vollcatering. Frage nicht, was da jeden Tag übrig bleibt… Nach Drehschluss muss die Verteilrunde immer recht schnell gehen, denn es wollen ja alle in den Feierabend und allein schaffe ich das alles gar nicht. Hilfe! (In Berchtesgaden?) 🙂

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  5. Ich finde foodsharing ist eine tolle Sache! Ich habe letztens mal meine Kammer durchsortiert und Dinge die ich nicht mehr verbrauchen werde beim Fairteiler an der Uni gespendet 🙂 Und ich werde das auf jeden Fall noch öfter nutzen!

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