(Mein persönliches) „Next Level“: Mich mit den Dingen konfrontieren

Photograph 003 by Lauren Mancke found on minimography.com

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An jenem Wochenende war es soweit. Mein Freund und mit mir Wohner hatte es von langer Hand geplant. Das Schlafzimmer sollte renoviert werden. Will heißen: Möbel darin abschlagen, woanders hinbringen bzw. aufschlagen, das Zimmer in einem frischen (also frischerem als jetzt) Weiß streichen, die Möbel nebst Inhalten wieder an den alten Platz bewegen.

Mir machte das zunächst keine großen Sorgen. Zunächst. Dies deshalb, weil ich weiß, ich habe nicht viel, also dementsprechend nicht viel zu verschieben. Vielmehr kann ich großzügig sein und für begrenzten (!!) Zeitraum meinen Raum anbieten. Also her mit den Möbeln, die gerade ihren Platz im Schlafzimmer nicht behalten dürfen.

Meine einzige, na ja, ich nenn’s mal „Ur-Pflicht“ bestand darin, die zwei Türen Kleiderschrank auszuräumen, die ich im Schlafzimmer belagerte. Und das sollte, nach ein paar Durchläufen #project333, wir hatten unter anderem hier und hier darüber berichtet, nicht ganz so schwierig sein.

Ihr denkt es euch schon, oder? Denn es kam ein wenig anders.

Zunächst das Gute. Der Kleiderschrank war in der Tat innert Minuten ausgeräumt. Klamotten von der Stange flugs auf die in meinem Zimmer aufgestellte Stange gehängt. Die drei Kisten mit nicht hängendem Material herausgeholt. Und jetzt das letzte Fach oben. Hier schon einmal die erste Überraschung. Dort hatte ich Ordner mit Material (nach ABC) geordnet gelagert, die mir schon lange ein letztes Dorn in meinen minimalistischen Augen waren. Die wollte ich (schon lange) mal durchschauen und ausmisten. Aber sie waren ja so schön unsichtbar weggeräumt. Jetzt wurden sie offen auf dem Boden meines Zimmers drapiert. Und so nebeneinander kamen es mir schon ziemlich viele vor.

Sofort packte mich einen Welle des ersten oberflächlichen Durchschauens, ob denn da nicht Papiernes drin sei, das seinen Sinn und Zweck schon verloren hatte… und konnte durch diese Spontanaktion die 14er-Reihe auf 10 reduzieren. Ich fühlte mich nur kurzfristig besser. Bis die ersten weiteren Dinge aus dem Schlafzimmer bei mir eintrudelten, die ihr Zwischenlager bei mir finden sollten.

Gefühlt brach bei mir das Chaos aus. Hatte ich anfangs des Posts (ihr erinnert euch) noch behauptet, ich besäße ja mittlerweile so moderat wenig Dinge, dass ich mit Leichtigkeit einiges Weiteres aufnehmen könne, so änderte ich diese spontane Ansicht. Ich beschloss jedoch, die paar Tage durchzuhalten.

Und ich halte seitdem weiter durch.

Die Stange mit den Klamotten und die Kisten dürfen bleiben, ebenso die Ordner, oder was von ihnen übrig bleibt. Und nun zu meinem Punkt, den ich heute zur Diskussion stellen möchte.

Geschlossene Ordnungssysteme gaukeln uns eine Besitzlosigkeit vor, die so gar nicht ist.

Wenn ich meinen Schrank zumachen kann und sehe eine Art glatte Wand, sehe ich gar nicht, wie viele Klamotten ich eigentlich habe. Bzw. wie viele Ordner. Weitere Beispiele. Wenn ich meine Schuhe in einem Schuhschrank lagere und nicht offen sehe, habe ich eigentlich nie alle im Blick. Sie wirken weniger, als sie sind. Wenn ich mein Geschirr im Geschirrschrank habe, schön aufeinandergestapelt, sind natürlich 20 Teller nicht zu viele. Müssten sie sich draußen aufhalten, würde uns viel schneller klar, wie viele wir davon eigentlich regelmäßig benutzen.

Mein Zimmer sieht jetzt voller aus. Aber ich habe jetzt auch meine Besitztümer „im Blick“. Und ins Positive gewendet: Seit ich mich mit dieser Fülle tagtäglich konfrontiere, fühle ich mich NOCH reicher.

Ins Extreme weitergedacht. Das ins Extreme weitergedacht würde mir allerdings nicht so passen. Das bedeutete, geschlossene Ordnungssysteme komplett abzuschaffen. Aber meine Kommode z.B., die mag ich. Sie ist mein Ort, Dinge vor meinen (und anderen) Augen zu verbergen. Auch die verbliebenen Ordner. Irgendwie.

Eure @mons7. Wie immer ein Zwischenstand der Dinge. 😉

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7 Gedanken zu “(Mein persönliches) „Next Level“: Mich mit den Dingen konfrontieren

  1. Interessante Idee! Doch man sollte auch bedenken, dass vor allem Bekleidung ohne Kleiderschrank schneller einstauben und vor allem ausbleichen oder gar vergilben. Man muss sie öfter waschen. Dadurch sind sie schneller unbrauchbar. Ich bin für geschlossene Kleiderschränke! LG Ulrike

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  2. Ich bin auch für geschlossene Kleiderschränke und finde teilweise geschlossene Ordnungssysteme sinnvoll. Es ist aber wichtig alles regelmäßig durch zu gucken und wirklich auszusortieren, was nicht benötigt wird. Ich mag es auch, dass meine Kommoden und der Kleiderschrank nicht überfüllt sind und ich einen guten Überblick habe. Es ist auch schön, einfach mal eine leere Schublade zu haben.
    LG Nanne

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  3. Also ich versteh was du meinst, aber meins sind doch eher geschlossene Aufbewahrungssysteme – für Kleider sind ja schon gute Argumente gesagt worden, und auch bei anderen Sachen ist mir das zu viel abstauben etc, ich hasse Putzen. Aber tatsächlich, zu viele Aufbewahrungssysteme sind dann auch nix, meine Methode ist dann eher, nicht die Sachen offen zu lagern, sondern einen ganzen Schrank wegzugeben, und meine Sachen müssen dann halt in die restlichen Schränke passen

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  4. Vielleicht heißt der Merksatz: „Nichts fremd einlagern“.
    In einen Kleiderschrank gehören nur Kleidung, Wäsche, Accessoires, Handtücher und Bettbezüge, nicht anderes. Ordner gehören ins Regal oder den Wohnzimmerschrank. Wenn sie fremd gelagert werden, werden sie vergessen, weil sie aus den Augen und dem Sinn sind.
    Schränke müssen regelmäßig, für mich mindestens einmal im Jahr, gründlich durchgesehen und ausgemistet werden. Sonst sammelt sich rasch wieder Zeug an, was überflüssig ist oder dort nicht hingehört.
    In der Küche sind halbleere Regale oder Schubladen verführerisch. Wie schnell sind die wieder gefüllt. Offene Regale? Lieber nicht, sagt die Putzfee in mir. Denn der Schmierfilm in der Küche muss zweimal im Monat entfernt werden, was Zeit kostet und mich ärgert. Echte Alternative sind in meinen Augen Glastüren. Dahinter ist alles geordnet und der Schmierfilm setzt sich dort nicht ab.

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  5. Hallo Mons,

    geschlossene Aufbewahrungssysteme… Ich greife mal eben zum Wort „Möbel“, das lässt sich flüssiger tippen. 🙂

    Vielleicht tut es ja auch ein Schrank weniger oder ein kleiner Schrank anstatt eines großen? Ich bin hier in Jerusalem in ein bereits möbliertes Zimmer gezogen, damit ich mich hinterher nicht mit dem Verkauf von Möbeln plagen muss. Der Schrank ist aber viel groß für meine Verhältnisse. Ein Sechstel hätte es auch getan.

    Alles Liebe,
    Philipp

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  6. Hallo!

    Grundsätzlich finde ich es gut, wenn die Dinge hinter Türen „versteckt“ sind, Staub und so und die Optik finde ich einfach besser.

    Aber was wirklich wichtig ist – alles gleichartige sollte an einem einzigen Ort sein und nicht irgendwo in der Wohnung verteilt. Daran arbeite ich seit einiger Zeit und es wird immer besser 🙂

    lg
    Maria

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