Frauengespräche oder: wie alles begann

Vor drei Jahren telefonierte ich mit meiner Mutter. Sie fragte, was da so ein Krach macht (Mütter hören alles).
Ich so: „Ich zupfe meine 15 Balkonpflanzen.“
Sie: „Das hab ich alles reduziert. Ich hab nur noch eine. Und was machst du jetzt?“
Ich: „Ich staube meine Schränke ab mit der Hand.“
Sie: „Das hab ich alles verkleinert. Ich hab nur noch kleine Kommoden. Geschlossene. Dann staubt nix zu.“

Das war mir Ansporn nach meinem 39. Geburtstag noch weiter zu reduzieren. Meine Gäste fanden meine Wohnung da schon schön übersichtlich und erholsam. Ich traf eine Gästin wieder nach der Feier:

Sie: „Ich hab es auch getan.“
Ich: „Was getan?“
Sie: „Wie DU.“
Ich: „Wie ICH?“
Sie: „Reduziert. Ich hab alles zur Givebox gebracht. Und ich mache noch weiter.“

Unter uns: Ich fing nach der Party erst R I C H T I G an mit Ausmisten. Ich schrieb mir jeden Montag einen Zettel mit 7 Sachen, die in der Woche rausflogen. Wichtig war mir, Entscheidungen zu treffen und die Dinge wirklich loszuwerden und nicht nur umzuschichten oder in den Keller zu verlagern.
Die Aktion ging ein Jahr und war zeitweise echt anstrengend. 70 % meiner Sachen sind weg. Inklusive Teich und Balkondach. Keller und Speicher sind seitdem leer geblieben. Darüber freue ich mich jeden Tag. Meine Sachen sind genau auf mich abgestimmt. Ich bin frei. Ein Umzug in eine neue Stadt macht mir jetzt keine Angst mehr. Mit einer Balkonpflanze.

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5 Gedanken zu “Frauengespräche oder: wie alles begann

  1. Danke für eine motivierenden Zeilen. Allerdings: Nur noch eine Pflanze? Ist das genussvoller Verzicht oder eher Zwang? Wenn du dich wohlfühlst, ist es ja genau richtig. Aber ich glaube, denen, die auf dem Weg zum Minimalismus sind, könnte das Angst machen ;-).

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  2. Früher hatte ich viele Pflanzen. Vor meinen Kindern. Dann hatte ich meine Kinder und nur noch 1 Pflanze (die lebt noch immer) und heute habe ich wieder viele Pflanzen und meine Kinder leben ihr eigenes Leben. Manches hat bei mir (rückblickend) scheinbar System.

    Meine Pflanzen wissen allerdings, dass sie maximal 1 x pro Woche Wasser bekommen und das finde ich super. Und das ist auch minimalistisch. Finde ich.

    lg
    Maria

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  3. Seit über 7 Jahren gibt es in meiner Wohnung und in der Wohnung meines Freundes (in der ich mich auch viel aufhalte) keine einzige Pflanze. Das war und ist sehr entlastend, weil wir uns nie fragen müssen, wer sich darum kümmert, wenn wir – vor allem im Sommer – spontan oder geplant länger weg sein wollen.

    Jetzt haben wir am 24. Dezember den Pachtvertrag für unseren Schrebergarten unterschrieben – und haben jetzt sehr viel Verantwortung für sehr viele Pflanzen. Es fühlt sich stimmig an. 😉

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