Mein Liebgewordenes, Unverzichtbares | Gastbeitrag

Ulrike

Ulrike

Dies ist ein Gastbeitrag von Ulrike Hecker aus Hamburg, die in ihrem Bambooblog über ihre Asienreisen und Buddhismus im Alltag berichtet. Ulrike ist eine Minima Muse Leserin, die meinen Aufruf zum Mitmachen beim Wort genommen hat und mir vor ein paar Tagen ihren Text samt Fotos zumailte. Darüber freue ich mich sehr! Ihre Geschichte liest sich wie ein herzerfrischender Nachtrag zur Juli-Blogparade „Unnütz & Unbezahlbar“ und ergänzt Monis Teddygeschichte – ihr erstes minimalistisches Erlebnis als Kind – ganz wunderbar. Danke, Ulrike, für diesen berührenden Einblick in Deine Welt der Dinge und in Dein Leben! Ich wünsche Dir eine liebe-volle Weihnachtszeit!

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Mein Liebgewordenes, Unverzichtbares

Mein Haushalt ist alles andere als auf Minimalismus ausgerichtet. Oh, ich bin gut im Wegwerfern, verschenken und loslassen. Highlight in dieser Hinsicht war mein Aufbruch nach Asien. Ich hab damals meine Wohnung aufgelöst und bin auf unbestimmte Zeit auf Reisen gegangen. 18 Monate habe ich aus einem 60l-Rucksack gelebt. Aber Minimalismus möchte ich das nicht nennen. Ich wollte reisen und mein Besitztum hing in der Zeit davon ab, wie viel ich schleppen konnte. Kaum war ich wieder Zuhause, hatte ich auch schon eine Wohnung. Dann zog mein Freund zu mir und brachte seine Sachen mit. Die Regale und Schränke füllten sich. Aus meiner Idee, in einem spartanisch ausgestatteten Schlafzimmer im japanischen Stil zu schlafen, wurde nichts. Irgendwo mussten ja meine/unsere Bücher hin. Und der Kleiderschrank.

In dieser Zeit geschah es, dass mein Freund und ich einen fürchterlichen Streit hatten. So schlimm, dass er wütend die Wohnung verließ und ich nach einer Weile weinend auf der Couch einschlief. Irgendwann hörte ich die Wohnungstür. Er war wieder da! Ich traute mich nicht, die Augen zu öffnen. Dann ein paar Schritte und schon hörte ich wieder die Wohnungstür. Er war wieder weg!

Jetzt war ich richtig wach! Was war das denn gewesen? Ich schaute mich verwirrt in der Wohnung um und da saß er im Bücherregal: Ein lila Teddybär! Lila!!! Ich näherte mich ihm zögernd: „Wer bist Du denn?“ und „Du Armer! Du bist ja ganz lila!“ Er guckte mich aus großen schwarzen Augen an. Er wirkte so ruhig! So mitfühlend! So einfach da! Ich schloß den armen hässlichen lila Teddybär sofort ins Herz.

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Unser Chefbär

Später kam mein Freund zurück. Von da an war der Teddy unser Tröstebär, das Wesen, das zwischen uns vermittelte, wenn wir uns mal wieder stritten. Der mit mir auf Reisen ging, oder auch meinen Freund tröstete, wenn ich mal unterwegs war. Es kamen andere Teddybären hinzu. Es bildete sich eine ganze Bärenbande. Doch keiner von denen ist jemals so wichtig gewesen wie der lila Teddybär. Der ist eben unser Chefbär.

Auch heute, 7 Jahre nach dem Tod meines Freundes, der mein Ehemann wurde, hat der Tröstebär eine wichtige Position. Manchmal schläft er in meinem Bett, manchmal geht er mit mir auf Reisen. Er ist immer noch der Chefbär. Ich bin jetzt fast 60 Jahre alt und wundere mich über mich selbst. Aber auf meinen Tröstebären könnte ich niemals verzichten.

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Mein Tröstebär auf Reisen

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2 Gedanken zu “Mein Liebgewordenes, Unverzichtbares | Gastbeitrag

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