Mein erstes bewußt erinnertes #minimalismus Erlebnis ist…. lange her!

Was hat denn da der Hund aus dem Keller ausgegraben (den ich mittlerweile für ordentlich, organisiert, und recht leer empfinde)? Ich glaube es ja nicht. Meinen Kinder-Teddy-Bären, den ich später als Hundespielzeug umfunktioniert habe. Und alte Hundedame sich im Keller angesichts des Teddys wohl an frühe Jugendfreuden erinnert. 🙂

Bildschirmfoto 2014-11-24 um 18.43.03

Aber von Anfang…

Wie ich zu dem Teddy kam

Ich. Klein. Mit Mama im (damals nannten wir ihn) „Seifenplatz“. So eine Art „IhrPlatz“, also Drogeriemarkt. Weiss gar nicht, ob es die noch gibt? Ziemlich am Eingang eine Tonne. Mit lauter gleichartigen Teddies. Lauter farbenfrohe Teddies. Weiß-grüne Teddies. Weiß-weinrote Teddies. Weiss-blaue Teddies. Weiß-sonnengelbe Teddies. Ich sortierte alle gewissenhaft durch. Derjenige, auf den ich es spontan abgesehen hatte war…

… schwarz-weiß. Und eine Naht rechts war aufgerissen. Es war der einzige seiner Art.

Normalerweise war ich ein pflegeleichtes Kind, das wenig Ansprüche stellte, aber viel bekam. Angesichts des schwarz-weißen Teddys jedoch legte ich wohl ein neues Verhalten an den Tag. Ich drückte mein Begehr aus, diesen mitzunehmen.

Mama versuchte mich auf einen grünen mit weiß umzulenken. Das klappte mit mir – normalerweise – gut. Nicht so dieses Mal. Sie versuchte es mit einem weiß-weinroten. Ohne Erfolg. Sie setzte ihren Einkauf fort… um nach 10 Minuten wiederzukommen. Ich immer noch mit dem lädierten Teddy im Arm.

Sie lenkte mich weiter, verschwand kurz, ich schnappte meine Gelegenheit, den Teddy zu holen. Aber… er war… weg? Wie verrückt wühlte ich in der Tonne. Mama flüsterte mir von der Seite ein, dass der wohl just und gerade weggekauft worden sei. Ich wühlte weiter. Legte jeden Teddy aus der Tonne raus. Und DA… strahlen auf meinem Gesicht! … war er. Ganz unten. Immer noch kaputt. (Meine Mutter gestand mir später, ihn nach unten verfrachtet zu haben, um mir einen weiß-grünen oder weiß-weinroten anzudrehen.)

Nun ja, ihr ahnt es, er durfte mit und wurde von Mama repariert.

Was der Teddy zuhause in meinem Zimmer bewirkte

Ich wollte alle anderen Puppen, Stofftiere, sonstiges Gedöns nicht mehr um mich haben. Das war mein einer und einziger Teddy. Der sollte geehrt werden und nur der bedeutete mir erstmals etwas (warum, weiß ich bis heute nicht). Also störten mich diese unbedeutenden Puppen, alles andere störte mich einfach. Es sollte weg.

Meine Mutter argumentierte (und setzte sich natürlich durch), dass die anderen – für mich offensichtlich unbedeutenden – Gefährten nicht störten, so sie aufgeräumt im Regal säßen. Ich schmiss sie noch drei viermal heraus. Aber da ich die Unordnung noch schrecklicher empfand, setzte ich sie zurück – und versuchte sie zu ignorieren.

Lieber aber hätte ich ein leeres Regal dort gehabt.

Was ich damals wohl schon ahnte

Dass ich eine #minimalistin werden würde. Die lieber wenig, dafür einzigartiges um sich haben mag.

Was ich aber noch nicht wusste/nicht wissen konnte

Dass die Menschen, die mir dieses reichhaltige Sammelsurium geschenkt hatten, und das ich nicht zu schätzen wusste, sehr hart dafür gearbeitet haben und sehr viel Geld dafür bezahlt haben.

Was ich mich heute aber frage

Ist es vielleicht besser, einem Kind eher weniger zu spielen zu geben?
Ist das Begeher nach #minimalismus gleichsam genetisch?
Kann das Begehr nach #minimalismus nur aus der (Über-)Fülle heraus entstehen? Müssen wir also vorher übersättigt sein?

Was war euer erstes erinnerbares Minimalismus-Erlebnis? Und was denkt ihr zu zahlreich oben aufgeworfenen Fragen?

Eure @mons7 – neugierig auf eure Kommentare

 

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10 Gedanken zu “Mein erstes bewußt erinnertes #minimalismus Erlebnis ist…. lange her!

  1. So ein süßer schwarzweißer Panda-Teddy! Obwohl ich Kind wohlhabender Eltern war, hatten in den 1950er und 60er Jahren nicht den Bruchteil an Spielzeug, Teddybären und Puppen, wie es Kinder heute haben.Teddys wurden auch nicht billig im Supermarkt verkauft. Ich habe nach viel Wünschen und mehreren Weihnachtsfesten ohne, irgendwann endlich einen Teddy mit dem Knopf im Ohr bekommen, den ich jahrelang in Ehren gehalten habe. Mein jetztiger Teddy hat eine wichtige Funktion als „Tröstebär“. Ne, auch wenn mich Dein Blog dazu inspiriert, mal gründlich aufzuräumen, so werde ich auf vieles liebgewordenes nicht verzichten. LG Ulrike

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  2. Hallo, normalerweise bin ich eine stille Leserin von eurem wunderbaren blog. Dieser Beitrag hat mich aber sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe mich gefragt, woher mein Bedürfnis nach Minimalismus kommt.

    Vielleicht wurde der Grundstein schon in meiner (frühen) Kindheit gelegt. Ich bin mit wenig Spielzeug aufgewachsen, was ich mir gewünscht habe, habe ich nicht immer gleich geschenkt bekommen und das, was ich bekommen habe, habe ich innig geliebt und jahrelang gepflegt. Ob das Bedürfnis genetisch bedingt ist, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass es viel damit zu tun hat, wie man aufwächst und wie man erzogen wird.

    Mir fällt dazu eine Situation ein, die ich mit der Tochter meiner besten Freundin kürzlich erlebt habe: Wir waren in ihrem Kinderzimmer und sie wollte gern, dass ich mit ihr etwas spiele. Jedes Mal, wenn wir ein Spielzeug aufgebaut oder zu spielen begonnen hatten, ging sie nach wenigen Minuten zu ihrem mit Spielzeug überquellenden Schrank und holte das nächste heraus. Sie konnte oder wollte sich einfach nicht auf das jeweilige Spielzeug konzentrieren und war unruhig. Dann habe ich ihr den Vorschlag gemacht, sie sucht sich jetzt zwei Spielzeuge heraus und wir gehen zum Spielen ins Wohnzimmer. Und siehe da, wir haben eine lange Zeit mit viel Spaß gespielt und sie war sehr konzentriert bei der Sache.

    Vielleicht war sie überfordert oder übersättigt von der ganzen Auswahl, die sie hat und von der Qual zur Wahl des richtigen Spielzeuges. Ich weiß es nicht, aber mein Eindruck daraus ist, einem Kind nicht so viel und nur ausgewähltes Spielzeug zum Spielen zu geben. Mir hat es jedenfalls nicht geschadet und Omas Garten oder der Wald waren sowieso die besten Spielwiesen.

    Viele Grüße
    Nicki-HH

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  3. Ich bin als Nachwendekind aufgewachsen und sehr verwöhnt worden. Tatsächlich konnten sich aber nur wenige Spielzeuge auch über Jahre halten.
    Deshalb bin ich auch der Auffassung, dass man Kindern lieber weniger Spielzeug geben sollte, das sie dafür umso mehr wertschätzen. Und da Not bekanntermaßen erfinderisch macht, ist es eigentlich nur gut für sie, wenn sie mehr mit ihrer Phantasie statt Plastik spielen.

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  4. Mir geht es ähnlich wie Philipp. Ich bin mit viel (unnötigem) Spielzeug aufgewachsen, jede Menge Plastik, im nachhinein bestimmt viel ungesundes Zeug. Ahnte man aber damals nicht, war eine Errungenschaft. Trotzdem hab ich mir relativ viel Kreativität und Phantasie bewahren können, es zählen also auch noch andere Umweltfaktoren. Mein Schlüsselmoment des Minimalismus liegt eher im Badezimmer. Meine Mutter kaufte und kauft noch immer unzählige Kosmetikartikel. Der Badezimmerschrank meiner Eltern ist bestimmt mit 100 Fläschen gefüllt, über die keiner einen Überblick hat, aber für jeden Anlass das „richtige“. Ich habe bereits früh alle möglichen Produkte probiert. Ein paar Jahre nach meinem Auszug von zu Hause hab ich einige Allergien entwickelt und musste meinen Kosmetik-Konsum zwangsläufig umstellen und reduzieren. Heute komme ich mit Haarseife, Olivenölseife, Zahnpasta und Deo aus. Wenn ich zu meinen Eltern ins Bad komme, trifft mich heute der Schlag und ich empfinde diese ganzen Kosmetik-Haufen als Belastung, Überforderung und Zumutung.
    Das hat jetzt wenig mit Spielzeug zu tun, aber der Badezimmer-Minimalismus durchzeiht allemählich alle Lebensbereiche bei mir. Meine Familie ist allerdings weit davon entfernt. Dieses Jahr habe ich ihnen ein Geschenke 1×1 Aufgebrummt. Jeder darf 1 geschenk pro Person zu Weihnachten mitbringen. Meine Mutter ist bereits in einer tiefen Krise, weil sie bereits mehrere für meinen Sohn gekauft hat. Aber letztes Jahr Weihnachten fand ich sehr ernüchternd, weil die Kinder sich überhaupt nicht auf die Geschenke selbst konzentrieren konnten, sondern immer nur geschaut haben, wo es noch mehr gibt.

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  5. Dass der Wunsch nach Minimalismus aus einer Übersättigung heraus entstanden ist, kann ich in meinem Fall überhaupt nicht sagen – obwohl ich diesen Grund wirklich gut nachvollziehen kann! So viel Zeugs hatte ich einfach nie, und wenn mal hier oder da, dann nie längerfristig und insbesondere nie gerne. Früher in einer kinderreichen Familie in den 60er Jahren gab’s dann sicherlich auch einfach nicht so viele Sachen. Wobei auch da schon unsinniges Zeug dabei war: Puppen mochte ich z.B. als Kind ebf. nie. Diese lagen nur ungesehen in der Ecke.

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  6. Spannend, dass wir aus ganz verschiedenen Richtungen herkommen, aber dennoch eine ganz ähnliche Haltung entwickelt, um gleiches Ringen. 🙂 Ich freue mich, so viel Inspiration von euch zu erhalten und danke euch fürs Teilen!

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  7. Was mir als Kind wichtig war: Die Dinge in meinem Zimmer sollten eine ganz bestimmte (meine) Ordnung haben. Mich hat es wahnsinnig gemacht, wenn meine Schwester irgendwas anders rumliegen hatte. Das hat mich total gestört.

    Heute beruhigt mich dieses Weniger auch, weil eben nicht so viel herumliegt und möglichst alles einen festen Platz hat.
    lg Nanne

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