Aus dem Leben einer Tauschkiste (Video)

Heute erreichte mich völlig überraschend eine Mail mit folgendem Inhalt:

Hallo Dörte,

bin Tauschkistenfan und räume auch hin- und wieder auf. Habe jetzt ein kleines Video gemacht. Da kann gern verlinkt werden.

Freundliche Grüße
Regine

***

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie glücklich mich dieses kleine Video gemacht hat, als ich es vorhin um ersten Mal sah. Regine hat wirklich eine ganz besondere Doku über die Tauschkiste in Hamburg Ottensen gedreht. Ich bin ja als Patin dieser Tauschkiste selbst nur ein bis zweimal in der Woche für eine halbe Stunde vor Ort, bringe jedes Mal selbst ein paar Sachen mit und ordne alles ein bisschen gefällig an – und hab mir dabei schon so manches Mal gewünscht, einmal Mäuschen spielen zu können. Regine hat das jetzt möglich gemacht. Danke!!!! Bei vielen Aufnahmen hab ich eben gedacht: Ach, das war kurz nachdem ich dort war! Oder: Huch, das ist ja was von mir! 🙂 Ich freue mich, wenn ich Regine mal an der Tauschkiste treffe…

In den letzten Tagen habe ich häufiger darüber nachgedacht, warum mich diese Tauschkiste eigentlich so glücklich macht. Ich denke, es ist eine Mischung aus verschiedenen Aspekten:

Zum einen ist dies für mich der absolut richtige Modus, um Dinge loszulassen und in die Freiheit zu entlassen – in dem festen Vertrauen darauf, dass sie zu jemandem kommen, der oder die sie wirklich braucht und gern in Besitz nimmt. Es tut mir gut, die Dinge auf diese Weise zu verschenken, ohne darüber nachzudenken, ob ich durch einen Handel noch etwas dafür bekommen könnte. Ich fühle mich nämlich wesentlich freier, wenn ich nicht ständig in Gegenwerten denke. Wie meine Schwester immer sagt: es gleich sich ales aus im leben. Daran glaube ich, und ich finde immer mal wieder heiß begehrte Dinge in der Tauschkiste, die ich gern mit nach Hause nehme…

Zum anderen ist die halbe oder ganze Stunde, die ich an der Kiste verweile, geprägt von herzlichen Begegnungen mit anderen, die etwas bringen, die die Kiste in dem Moment des Vorbeigehens erstmalig wahrnehmen oder die auch ganz gezielt vorbeischauen, um zu prüfen, ob etwas für sie dabei ist. Hier fängt das Video von Regine sehr schön eine Stimmung ein, die auch ich immer wieder dort erlebe. Es ist aber auch bemerkenswert, wie gut in Schuss die Tauschkiste ist, wie viele sich um sie kümmern, auch mal etwas völlig Kaputtes oder völlig Verdrecktes mitnehmen und entsorgen, so dass die Kiste nicht vermüllt. Wie mir das Video von Regine zeigt: Diese Tauschkiste hat viele Paten.

Und dann ist es für mich auch eine besondere Form der inneren Einkehr, zu Hause durch die Räume zu gehen, eine Tasche mit Dingen zu packen, die ich loslassen möchte, zur Kiste zu radeln, zu räumen und meine Dinge einzusortieren, ein bisschen mit den Menschen zu plaudernm, die vorbeischauen, Fotos zu schießen und wieder meiner Wege zu ziehen. Es ist zu einem lieb gewordenen Ritual geworden, das für mich eine Pause im Alltag ist, eine Zäsur – und damit hervorragend in meine laufende Challenge dieses Monats passt! 🙂

Mein Wunsch ist, dass jeder Stadtteil – jedes Vietrel – in Hamburg eine solche Tauschkiste hat. Bis jetzt gibt es drei davon. Wie vermehren wir sie?

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8 Gedanken zu “Aus dem Leben einer Tauschkiste (Video)

  1. Ach, das ist so eine tolle Idee. Das sollten wir hier in der Dresdner Neustadt auch haben. Hab grad mal gegoogelt. Einen Versuch gab es schon mal, aber die Stadtreinigung hat die Tauschbox einfach entfernt :-(.
    Ich schau mal, ob wir sowas nochmal gebacken kriegen :-).

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  2. Hallo!

    Eine tolle Idee – diese Tauschkiste. Bisher kannte ich das nur für Bücher.

    Wie macht ihr das eigentlich im Winter? Ich frage jetzt mal blöd, habe absolut keine Ahnung, wie das in Hamburg mit dem Schnee so ist …

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  3. Habe das ganze in meiner kleinen Stadt mal versucht in Angriff zu nehmen. Die Reaktionen haben mich erstmal wirklich enttäuscht, daran sehe ich, wie anders ich (und ihr alle hier im Blogg und auf anderen mich interessierenden Bloggs und Seiten) doch ticke.
    Beispielantworten ganz anonym:
    …..ist zwar eine nette Idee, aber solange es ebay gibt stelle ich da meine nicht mehr benötigten Dinge rein, und die ebaykäufer zahlen so meinen 2 oder 3 Wochen Urlaub.-)
    ….Hier gibt es doch auch die Kleinanzeigen-Gruppe für, Wenn jemand was verschenken möchte, wär das doch die ideale Plattform
    ….Ist grundsätzlich ne gute u interessante Sache, nur sehr schwer zu händeln, weil niemand verantwortlich dafür ist, wenn jemand seinen Müll in die Kiste stellt.

    Mal sehen, ob und wie ich das weiter in Angriff nehme.

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    • Liebe Eva,

      „in Angriff genommen“ heißt, mit anderen über die Idee gesprochen? Die Reaktionen kommen mir bekannt vor… 😉 Und auch bei „meiner“ Tauschkiste kommt es sicherlich immer mal wieder vor, dass jemand sich bedient, um die Sachen dann selbst auf eBay zu verkaufen. Tobias Filmar, der die Kiste gebaut hat, hat mich bestärkt, mich durch solche Beobachtungen nicht demotivieren zu lassen. Die meisten Menschen nehmen wirklich etwas (und auch meistens nur ein oder zwei Teile auf einmal) für den Eigenbedarf mit. Nicht jede/r geht damit so entspannt um. Wenn ich mit meiner Freundin zusammen die Tauschkiste aufräume, regt sie sich immer sehr über diejenigen auf, die sehr offensichtlich etwas zum Weiterverkaufen mitnehmen. Doch ich denke dann: Vielleicht brauchen diese Menschen schlichtweg ein bisschen Geld, um sich etwas zu essen zu kaufen…

      Meine Schwester überlegt jetzt, ob sie eine Tauschkiste in ihrem 200-Seelen-Dorf aufstellt. Die fehlende Anonymität wird sicherlich ein anderes Nutzungsverhalten provozierten als in der Großstadt. Wie groß ist denn die kleine Stadt, in der Du lebst? Wie wäre es, wenn Du einfach Fakten schaffst und eine Kiste baust und schaust, was dann damit passiert? Einfach machen ist zurzeit mein Motto. 😉

      Viele Grüße
      Dörte

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      • Hallo Dörte,
        Toll dass du so schnell antwortest (jetzt habe ich auch entdeckt, was ich tun muss, um über deine Antwort benachrichtigt zu werden 😉 , das machts leichter- hatte ich mehr als 2 Posts bisher verfasst!?!?)

        Ja genau, ich habe es angesprochen und mit Begeistetung gerechnet…. Naja, ich werde es mal im näheren Bekanntenkreis versuchen. Alleine traue ich es mir nicht zu.

        Unsere Stadt hat mit allen Orten ringsherum ca. 16.000 Einwohner, also schon ne Menge.

        Zur Zeit versuche ich das Book Crossing etwas mehr zu verbreiten. Ist vielleicht auch ein Anfang, und evtl. kann man die Leute, die dabei mitmachen dann auch motivieren bei der Tauschkiste mitzumachen. Vor allem zum Aufbau brauche ich Unterstützung.

        Gefällt 1 Person

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