#Minimalismus – und plötzlich hatte ich Zeit

clock-92130 Minimalismus heißt ja für viele erst einmal Entrümpeln. Auch für mich spielt das Aussortieren und Weggeben von Dingen eine große Rolle. Ich habe kürzlich aber festgestellt, das ist nicht das zentrale Element. Viel wichtiger als das Aussortieren ist das Treffen von Entscheidungen: Wie will ich Leben? Was ist mir wichtig? Was ist für mich verzichtbar? Wie will ich meine freie Zeit nutzen? Solche Fragen stelle ich mir immer wieder und durfte auf meinem Minimalismus-Weg kürzlich erste Früchte ernten: Ich hatte einfach so Zeit. Nichts zu tun, keine Verpflichtung, keine schreiende To-Do-Liste, einfach nur Zeit. Man könnte fast sagen, ich hatte Langeweile. Was für ein Genuss.

Wenn ich wieder Zeit habe,

… dann, ja was dann? Bei mir hieß es mehrere Jahre lang: Wenn ich wieder mehr Zeit habe, kann ich mich voll in mein Zweitstudium stürzen. Wenn ich wieder mehr Zeit habe, lerne ich eine neue Programmiersprache. Wenn ich wieder mehr Zeit habe, lese ich diese Bücher endlich. Und wann soll das sein, dieses Wenn-ich-wieder-Zeit-habe? Ihr ahnt es wahrscheinlich schon: Der Tag wird nie kommen. Denn wenn mir diese Projekte so wichtig gewesen wären, dann hätte ich wohl schon Zeit dafür freigemacht. Und wenn das nicht möglich ist, dann sollte ich die Projektliste wohl in Frage stellen.

Genau das habe ich auch getan: Ich habe mich exmatrikuliert und beschlossen, mein Studium in einer späteren Lebensphase wieder aufzunehmen, wenn es mir denn wichtig genug ist. Ich habe mich – vorerst – von dem Gedanken verabschiedet, etwas ganz Neues zu lernen. Lieber werde ich, wenn die Zeit reif dafür ist, mein Hobby Nähen wiederbeleben. Tatsächlich musste ich mir aber eingestehen, dass ich zurzeit mit Familie, Haushalt, Jobsuche, Blog und Ehrenamt mehr als ausgelastet bin. Ich habe keine Lust, ständig neuen Projekten und Wünschen hinterherzujagen und frage mich lieber, ob es sich tatsächlich um eine Herzensangelegenheit handelt oder es nicht auch ohne geht. In überraschend vielen Fällen geht es ohne.

Der Lohn: Mußestunden und endlich wieder Zeit

Das Gefühl, endlich wieder Zeit zu haben, ist großartig. Keine Aufgaben und Verpflichtungen, die mir im Nacken sitzen. Kein Plan, was ich machen könnte, wenn ich einmal Zeit habe. Stattdessen war ich einfach nur überrascht davon, Zeit zu haben und habe sie auf dem Sofa verträumt. Sollte das öfter vorkommen, kann ich ja immer noch mein Hobby wiederbeleben. Bis dahin gilt aber, minimalistisch weiter und die neue Freiheit genießen.

Wie geht es euch? Habt ihr auch schon mal so deutlich die positiven Auswirkungen des Minimalismus gespürt?

Bildquelle: pixabay.com – izzieanderton

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7 Gedanken zu “#Minimalismus – und plötzlich hatte ich Zeit

  1. Das ist so ein schöner Gedanke – ich habe im Moment, wie so viele andere Menschen, nie Zeit für irgendwas. Ich schreibe mir ganz viele tolle Sachen auf, die ich sehen, lesen, hören und erleben möchte und eigentlich schaffe ich nichts davon. Ich gehe auch gerade der Frage nach, was ich aus meinem Wochenplan rauswerfen kann, damit ich ein bisschen mehr zur Ruhe komme. Mal schauen, wann das bei mir der Fall sein wird…

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  2. Ja, mir geht es GENAU SO. So viele interessante, spannende Sachen, die ich gerne mal machen würde, dass ein Leben dafür nicht reicht. Also streiche ich auch das, was sich bei mir von Liste zu Liste quält (siehe Teil 2 dieses Beitrags) und fühle mich selber dann oft nicht mehr so gequält. Aber manchmal ist da auch so etwas wie ein ‚Trennungsschmerz‘, und dann probiere ich wenigstens ein bisschen was von einem neuen Projekt und stelle meistens fest, dass es in meiner Phantasie doch schöner war und ich (glücklicher Weise 😉 ) dann mit ruhigem ‚Gewissen‘ zurück zu meinen bestehenden Projekten kehren kann.
    Schöner Beitrag, danke dafür!

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