„Mama, wo sind denn unsere Möbel?“ – Gastbeitrag

Tanja-Heller-Potrait

Tanja Heller

Dies ist ein Gastbeitrag von Tanja Heller. Nachdem sie vor ein paar Tagen hier im Blog den Post von diebeckerin (Hanne) kommentiert hatte und wir sie daraufhin einluden, einen Gastbeitrag über ihre minus-1000-Aktion zu schreiben, hat sie sofort Nägel mit Köpfen gemacht. Danke für Deine Gedanken, Tanja!

Hier kommt Tanjas Rückblick, der gleichzeitig auch ein Ausblick ist:

 

„Mama, wo sind denn unsere Möbel?“

1000 Dinge habe ich verschenkt, verkauft oder absichtlich verloren.
Was fehlt mir seitdem? Nichts! In meiner Wohnung ist nur noch, was ich liebe oder brauche. Das ist erschreckend wenig. Ich lebe viel bewusster. Und mache, was mir Spaß macht und mich persönlich weiterbringt.

Minimalist wird man nicht
Das ist man schon. Und merkt es eines Tages. Besitz bedeutet Verantwortung. Mit Spielzeug muss man spielen, sonst wird es traurig. Das hat mich schon als Kind belastet. Deshalb hab ich meine Sachen verschenkt. Mit 6 Jahren war ich fasziniert von einer Trottoir-Zeichnung auf dem Montmartre in Paris. Fast wäre sie mit dem nächsten Regen spurlos verschwunden. Doch: Sie ist für immer in meinem Kopf geblieben. Dinge erinnern und nicht festhalten. Das war genau mein Ding.

Skandal: Kindheit ohne Toaster!
Man kann so vieles wegwerfen, ohne dass es jemand merkt. Nur nicht den Toaster. Seit 10 Jahren wird mir das vorgeworfen. Mittlerweile sichert meine Tochter ihre Sachen lieber beim Papa. Manchmal fragt sie mich, „Wie geht’s deinem Minimalismus?“ Als sei das mein Mitbewohner.

Kein Haus. Kein Auto. Kein Boot.
Mir fehlt der Besitzwille. Ich hatte in meinem Leben immer Besseres zu tun, als aus einer Wohnung ein Museum für unnötige Dinge zu errichten, die mir keinen Nutzen bringen. Den Sinn habe ich noch nie verstanden.

Lieber Zeit statt Zeug
Entschleunigt leben, bewusst den Moment genießen. Die Hummel am Lavendel beobachten. Wenn man auf Konsum nicht mehr anspringt, den Irrsinn da draußen nicht mitmacht, stellt das die Werte sehr auf den Kopf und man passt nicht mehr in sein Umfeld.

Weniger ist Alles
Ich würde am liebsten in einem Wohnmobil am Meer leben. Das gibt mir mehr als eine steile Karriere. Manchmal weiß ich nicht, wo das alles hin will. Das find ich gar nicht so schlimm. Ich weiß nur ziemlich genau: Ich will vieles nicht mehr hinnehmen, mich nicht mehr anpassen und mich selbst leben.

Danke an alle Minimalismus-Blogger
Zum Glück begegnen mir im Internet Menschen, die mich verstehen, Konsumpf verweigern und plastikfrei(er) leben. Im realen Leben ernte ich nur ein mildtätiges Irrenarztlächeln, wenn ich sage, ich werde die seltenen Erden aus meinem Laptop wieder zurückschicken in die Länder, wo sie dringend gebraucht werden. Vielleicht sind sogar Menschen gestorben, damit ich diesen Text schreiben kann.

Tanja-Heller-Wohnung

***

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10 Gedanken zu “„Mama, wo sind denn unsere Möbel?“ – Gastbeitrag

  1. „Kein Haus, kein Auto, kein Boot.“ Wie Recht Du hast, Und das ist wahrlich kein Satz, für den man sich schämen müsste, wie es die Werbung suggeriert. Darf ich fragen, auf welche Möbel Du konkret verzichten konntest? Und wie Dein Partner und Deine Kinder darauf reagiert haben? Ich finde es sehr schwierig, wenn man einen gemeinsamen Alltag hat, aber das einzige Mitglied im Haushalt ist, dass gerne etwas weniger Zeug und dafür mehr Platz hätte. Hier gibt es zwar kein Irrenarztlächeln, aber zumindest sehr besorgte Blicke, wo das alles noch hinführen soll.

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      • Ich glaube, dass ich genau das Gefühl, dass ich ebenfalls wiederhaben möchte „wie damals als Studentin“.
        So wohl habe ich mich seitdem nirgendwo mehr gefühlt.

        Ich würde auch gerne meinen Kram einfach wieder in einen Koffer und einen großen Rucksack packen und ins Ausland ziehen. Damals hatte ich nur das, was ich tragen konnte und das was super!

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  2. Hi! Ich finde Tanjas Gedanken, die sie hinterlässt, immer sehr anregend und mir zeigend, dass es auch mit wenig Killefitz geht. Schön auch, mal wieder einen ganzen Beitrag von ihr zu lesen. 😀 lg trix

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