#Minimalismus – mein Leben auf 12qm

Wenn ich heute durch meine 3-Zimmer-Wohnung gehe und meinen Besitz so anschaue, denke ich manchmal wehmütig an meine Studienzeit zurück. Damals passte mein gesamter Besitz in ein Zimmer von 12 qm (plus ein Lebensmittelfach in der Gemeinschaftsküche des Wohnheims). Umziehen ging auch damals nicht mit einem Rollkoffer, aber ich habe all mein Hab und Gut mit einem Blick zugänglich gehabt. Als ich im Wohnheim gelebt habe, wusste ich das übrigens nicht zu schätzen und wäre auch nie auf die Idee gekommen, mich Minimalist zu nennen. Was fasziniert mich aber nun so an dieser Erinnerung? Wo will ich heute mit meinen minimalistischen Bestrebungen eigentlich hin?

12 qm – braucht man mehr zum Leben?

Ich habe in meiner Wohnheimzeit nichts vermisst, obwohl ich nur eine sehr überschaubare Zahl von Büchern, CDs, Kleidern und Geschirr mein eigen nannte. Besuch konnte ich in der Gemeinschaftsküche empfangen, in meinem Zimmer war ich konzentriert auf mein Studium, Lesestoff oder Musik. Überhaupt scheint es mir, als ob mein Leben zu dieser Zeit noch auf eine angenehme Weise langsamer war.

Und heute?

Heute habe ich nicht nur ein Hobby, das einiges Material erfordert, sondern auch eine Familie. Entsprechend größer ist die Wohnung, entsprechend zahlreicher der Besitz. Und entsprechend schneller mein Leben: Es gibt mittlerweile eine Reihe von Anforderungen, die an mich gestellt werden (und die ich an mich stelle), die in 24 h zu packen, nicht so einfach ist.

Will ich zurück in 12 qm? Auf keinen Fall. Ich genieße es, viel Platz zu haben und auswählen zu können, wo ich mich niederlassen will. Was ich aber gerne wieder hätte, ist ähnlich wenig Besitz wie in meiner Studentenbude und etwas von der alten Langsamkeit.

Mehr Platz zum Leben

Wenn ich mehr leeren Raum in meiner Wohnung haben will und weniger Besitz, dann vor allem, weil ich wissen will, was daraus entsteht. Womit beschäftige ich mich, wenn ich nicht aufräume, aussortiere und an mich gestellten Anforderungen hinterherlaufe. Schaffe ich es endlich, regelmäßig zu meditieren? Kann ich mich wieder mit einem Buch niederlassen oder einfach mal nichts tun? Wie verändert sich meine Einstellung zu Besuchern und Spontaneität? Für beides hätte ich in meinem Leben gern mehr Raum. Was ist, wenn ich nicht mehr Dinge in Ordnung bringe, sortiere, verwalte, aussortiere? Da muss doch noch mehr kommen.

Und Ihr?

Habt Ihr eine Vorstellung, wie euer minimalistisches Leben aussieht? Wo ihr hin wollt? Was an Stelle des reduzierten Besitzes treten wird?

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15 Gedanken zu “#Minimalismus – mein Leben auf 12qm

  1. Ich würde auch gern einfach mal wieder (mit gutem Gewissen) Nichts tun und dann schauen, was sich daraus ergibt. Das Leben ein bisschen langsamer sein lassen.
    Je länger ich mich wieder mit dem Thema Einfachheit beschäftige, desto mehr frage ich mich, wieviel dies wirklich mit der äußeren Umgebung zu tun hat, und wieviel sich Innen tun müsste. Ist die Beschäftigung mit Dingen (auch das Aussortieren) eine Ablenkung davon?
    fragt sich (und Dich) Dina

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    • Liebe Dina,

      da stellst Du eine wirklich schwierige Frage. Vielleicht ist es ja wie mit Entspannungstechniken, wie z.B. dem autogenen Training? Zunächst übt man es in einer idealen Umgebung, ohne Störungen und Ablenkungen und kann es irgendwann auch im größten Trubel anwenden und davon profitieren?

      Nachdenken. Das ist etwas, was bei mir neu entstandenen Raum füllen könnte. Mir geht es tatsächlich so, wenn mich keine Dinge oder Verpflichtungen abhalten, dann kann ich mich auch mit dem Innen beschäftigen. Und mit all den anderen Dingen, über die ich gern mehr wissen möchte. Nachdenken und Lernen, mich bereichern, nicht materiell. Außen den Raum dazu schaffen sehe ich eher als nötige Vorbereitung. Ob ich mich damit selbst betrüge? Ich denke nicht. Wenn es aber nur noch ums Weniger geht und man beim Aussortieren stehen bleibt, dann besteht diese Gefahr.

      Danke für Deine Gedanken.
      Hanne

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      • Liebe Hanne,
        war nur so ein Gedanke bzw eine Frage, die mich selbst gerade beschaeftigt..
        Diese Wehmut nach dem ‚einfacheren Leben‘ im Studentenwohnheim habe ich auch. Oft vermisse ich aber die relative ‚Sorglosigkeit‘ eher als die Leere (das deutest Du in Deinem Beitrag ja auch an). Den Raum zu experimentieren hatte ich in dieser Zeit ja auch, weil ich keine Familie hatte, mich nicht in einem Job behaupten musste (als Hiwi hat man schliesslich wenig Verantwortung) und schlicht mehr Zeit hatte.
        Ich habe heute viel ueber Deine Fragen nachgedacht -vielen Dank also noch einmal dafuer.

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  2. Liebe Hanne,

    Du traust Dich ja was! Stellst gleich die Gretchenfrage, kaum hat dieses Blog Laufen gelernt… 😉

    Ich lebe zurzeit auf 26 qm und möchte es gern schaffen, wirklich nur das zu besitzen, was in dieser Wohnung Platz hat. Warum? Weil mich jeglicher Besitz schon immer total gestresst hat, weil ich den Konsumterror um uns herum echt hasse, weil… Doch halt! Das sind schon wieder Antworten auf eine Frage, die Du ja gar nicht gestellt hast. 😉 Es geht Dir ja gerade nicht um die NEINs, sondern um die JAs.

    Ich glaube, ich antworte Dir darauf mal ausführlich in einem eigenen Blogartikel. 😉 Hier und jetzt nur so viel: Ich träume von eonem nomadischen Leben und einem, indem ich mich nur noch mit Gegenständen befassen (!!!) muss, die ich wirklich sehr regelmäßig zur Hand nehme, um mein alltägliches Leben zu gestalten.

    Sonnige Grüße
    Dörte

    PS: Es ist großartig, auf einem Sonntag von einem Beitrag einer Co-Autorin geweckt zu werden. Danke!

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    • Liebe Dörte,

      die Frage ist das eine, die Antwort aber … Ich finde Deinen Punkt bemerkenswert, inwiefern Besitz stressen kann. Meist steckt hinter einem Kauf ja eher die Absicht, sich das Leben leichter zu machen. Zumindest vordergründig. Dass man allerdings Dinge nicht einfach nur besitzen kann, sondern man sich den Dingen und Menschen gegenüber immer positionieren muss, empfinde ich auch als Stress. Ich freue mich auf eine verbloggte Antwort, wie ich überhaupt große Freude an der Minima Muse habe :-).

      Hanne

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  3. Bei mir sind durch den Minimalismus zwei Sachen in mein Leben gekommen, die mir sehr wichtig sind:
    – Zeit
    – finanzielle Sicherheit
    Finanziell ging es mir vorher gut, aber jetzt weiß ich: ich würde auch mit weniger klarkommen, ich brauche so unendlich vieles nicht.
    Bei der Zeit ist es so, durch das weniger bin ich einfach öfter im Hier und Jetzt, weniger gehetzt, kann meine Bedürfnisse besser wahrnehmen, früher „Nein“ sagen und verplane grundsätzlich weniger Zeit. Das tut sehr, sehr gut!
    LG Nanne

    P.S.
    Ich habe ebenfalls auf 12 qm im Wohnheim gewohnt. Eine Freundin von mir sogar auf 9 qm. Das war eine super schöne Zeit.

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  4. Irgendwoher kenne ich die Zeit mit der „Kleinst-Wohnung“! Ich hätte sie gern wieder zurück. In kleinem Raum steckt so viel Potential. Wäre mir das nur mal früher aufgefallen 😀

    Allerdings bin ich auch alleinstehend und habe keine Kinder. Mit Familie ist so etwas schon anders. Mein Haustand wird zunehmend kleiner und somit meine 40qm-Wohnung auch leerer.

    Die Frage mit der gewonnen Freizeit ist recht interessant. Ich musste ernsthaft überlegen. Wahrscheinlich nutze ich das Internet noch mehr wie vorher. Da muss ich mir noch einmal einige Gedanken dazu machen.

    Viele Grüße
    Ralph

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    • So unterschiedlich können Minimalisten sein ;-). Ich schätze die Erkenntnisse, die ich durch den kleinen Raum gewonnen habe und genieße nun den großen. Noch mehr ins Internet in meiner Freizeit? Dann wäre ich wohl an Quadrataugen erkennbar … ich weiß schon recht genau, was ich will: Öfter Gäste einladen, meinem Sohn die Möglichkeit geben, mit Freunden bei uns zu spielen. Genug Platz haben, dass er Kisten- oder Legoparcours aufbauen kann und für mich so viel Platz haben, dass dem Ausrollen meiner Yogamatte keine Umräumaktion vorausgehen muss. Was ich allerdings für mich mit den neugewonnenen (zeitlichen) Freiräumen angehen will? Daran darf sich mein Hirn noch austoben.

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  5. Wie hältst Du es denn mit einem internetfreien Tag pro Woche, Ralph?

    Ich möchte das ab sofort ausprobieren (für mich persönlich bietet sich der Samstag an) – um einfach mal zu schauen, was an so einem Tag stattdessen Raum bekommt. Ich habe zum Beispiel wieder angefangen zu fotografieren (hab ich mit Mitte Zwanzig – also vor bald 20 Jahren – das letzte Mal inetnsiver betrieben) und nähere mich auf diese Weise auch wieder der Natur: Zurzeit faszinieren mich nämlich Makroaufnahmen von Pflanzen. Ok, ich bereite dann einige Fotos für dieses Blog auf – damit bin ich dann auch schon wieder im Internet… 😉

    Zu meinem Ausstieg aus dem Konsumismus gehört defintiv auch der Medienkonsum. In Screenmedien Maß zu halten und eine gute Balance hinzukriegen, das ist mir wichtig. Allerdings muss ich auch anerkennen, dass ich schon immer eine Leidenschafts fürs Schreiben hatte – früher eben mit der Hand, dann an der Schreibmaschine, heute am Rechner. Das mag ich nicht verteufeln, weil es für mich ein ganz wichtiger kreativer Prozess ist. Ich konsumiere also längst nicht nur, sondern lebe auch viel Kreativität hier im Netz aus. Du wahrscheinlich auch, oder? Wir müssten uns das also mal differenzierter anschauen.

    Sonnige Grüße
    Dörte

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  6. Mein erster Gedanke war: Hast du denn heute überhaupt 12 qm für dich? Ein eigenes Zimmer?

    Nach der minus-1000-Aktion im letzten Jahr, merke ich: Alles was nicht da ist, macht keine Arbeit. Die Wohnung ist sehr leer. Ich fühle mich reicher, weil ich Zeit mit wesentlichen Dingen verbringe. Herzensangelegenheiten. Nachteil: Ich fühle mich nicht mehr so zugehörig, weil ich mehr hinterfrage und Vieles nicht mehr will. Das ist nicht immer einfach.

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  7. Hallo Tanja,

    das ist eine gute Frage. Nein, ich habe zurzeit kein eigenes Zimmer, aber eine Wohnung, die groß genug ist, dass ich mir meinen Rückzugsort aussuchen kann. Mit der Zeit, von so einem Rückzugsort auch Gebrauch zu machen, sieht es schon anders aus.

    Mit der Zugehörigkeit oder dem Befremden der Umgebung gegenüber einer minimalistischen Lebensweise sprichst Du einen wichtigen Punkt an. Hättest Du Interesse, dazu mal einen Gastartikel für dieses Blog zu schreiben? Mir scheint, Du bist auf Deinem Weg zum Minimalismus schon ein Stück weiter als ich – und vielleicht der ein oder andere, der hier liest – ein Text darüber wäre für mich eine Bereicherung.

    Viele Grüße
    Hanne

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