Vorwort

Khalil-Gibran-Vom-Geben

Khalil Gibran “ Vom Geben“ in: Der Prophet (1923) – Die Deutsche Gedichtebibliothek

Vor dem Vorwort: Wenn Du direkt mehr darüber erfahren möchtest, was hier ab heute passiert, durchstöber doch einfach diese Seiten: >> Wer bloggt hier?  >> Mach doch mit!  >> Was ist Minimalismus?

Liebes Du,

die oder der Du mich hier jetzt liest! Es ist gut, dass Du da bist, denn Du gibst meinem Blog den Sinn.

Ein neues Blog zu eröffnen, fühlt sich überhaupt nicht minimalistisch an. Es ist fast so wie ein Haustier anschaffen. Mindestens jedoch so wie eine riesige Einbauküche, die in Einzelteilen geliefert wird. Ich habs ja wohl so gewollt, will wohl etwas regelmäßig hegen und pflegen oder regelmäßig etwas darin zubereiten. 😉 Ein frisches Blog ist aber eben auch nur fast so etwas wie ein Haustier und nur fast so etwas wie eine Einbauküche. Eigentlich ist es mehr wie ein Gespräch – mit zunächst unbekannten Gesprächspartnern. Und das will ja auch erstmal in Gang gebracht werden…

Wenn ich heute die MINIMA MUSE zum Leben erwecke, dann tue ich das, weil ich …

  • … ein Blog gern als Zettelkasten rund um ein Thema nutze, das mich beschäftigt, um Fundstücke im Netz mit eigenen Gedanken zu kombinieren, weiterzuentwickeln und aufzubewahren – und das gern auch öffentlich. (Einen solchen Zettelkasten hat übrigens Sustine mit ihrem Nachhaltigkeitstagebuch – bei Dir werd ich immer fündig, Sustine, danke! Und auch die Monsi füllt mit ihrer Lernspielwiese einen solchen Zettelkasten. Du bist echt mein Vorbild für konsequentes jahrelanges Bloggen!)
  • … veröffentlichte bzw. öffentliche Tagebücher liebe und schon immer gern selbst Tagebuch geschrieben habe, um mir Rechenschaft abzulegen über das, was ich tue, denke und fühle. Genau so persönlich und vorläufig unfertig wie in einem Tagebuch soll es hier auch zugehen dürfen. Das Thema Minimalismus geht meines Erachtens so sehr „ans Eingemachte“, weil es um Konsequenzen im ganz eigenen – tagtäglichen – Leben geht. Da passt das „Private“ unbedingt zum öffentlichen Diskurs. (Ein sehr informatives und gleichzeitig sehr berührendes Online-Tagebuch über Minimalismus schreiben übrigens Apfelmädchen & sadsfh. Ihr inspiriert mich sehr! Und so richtig spannend verspricht das Online-Tagebuch von Sandro zu werden, der seit ein paar Tagen auf sustainhappylity.de von seiner Wanderung zu Selbstversorgerprojekten und Ökodörfern berichtet, auf der Suche nach seinem Ort fürs glückliche Leben…)
  • … ich mich der Herausforderung stellen möchte, ein bisschen soziale Kontrolle zu erleben bei meinem eigenen Vorhaben, meinen Besitz zu reduzieren, mein Konsumverhalten zu verändern und mein Credo „Weniger Materie = mehr Energie“ zu leben. Ihr seid meine ZeugInnen!

Und damit dieses Blog auch wirklich zur Gemeinschaftsbildung beiträgt, hab ich mir ein bisschen was überlegt – eine monatliche Challenge, die auch Dich hinterm Ofen vorlocken könnte, Blogparaden, die es Dich in den Fingern jucken lassen, und die Chance, Dich hier als Gastblogger/in einzubringen.

Im Juli wird es übrigens unter anderem um Brautsträuße und Mundräuber gehen  – so viel sei jetzt schon mal verraten…

… und ich sage jetzt schonmal DANKE! Danke fürs Lesen, fürs Wiederkommen, fürs Weiterempfehlen, fürs Kommentieren, fürs Mitmachen – für alles, was Du bereit bist zu geben.

Viele Grüße
Dörte

PS: Wenn Du magst, nimm Dir doch jetzt noch die Zeit, den volständigen Text über das Geben von Khalil Gibran zu lesen.


Vom Geben

Khalil Gibran, Der Prophet (1923)

Ihr gebt nur wenig, wenn ihr von dem gebt, was ihr besitzt.
Erst wenn ihr von euch selbst gebt, gebt ihr wahrhaftig.

Denn was sind eure Besitztümer anderes als Dinge, die ihr festhaltet
und behütet aus Angst, dass ihr sie morgen brauchen könntet?
Und morgen, was mag das Morgen dem überschlauen Hund bringen,
der Knochen in der weglosen Sandwüste vergräbt,
wenn er den Pilgern zur heiligen Stadt folgt?

Und was ist die Angst vor der Not denn anderes als Not selbst?
Ist nicht die Furcht vor dem Durst, wenn euer Brunnen voll ist,
ein unstillbarer Durst?

Es gibt jene, die von dem Vielen, das sie haben, wenig geben
– und sie geben es um der Anerkennung willen,
und ihr Hintergedanke vergiftet ihre Gaben.

Und es gibt jene, die wenig haben und alles geben.
Das sind die, die an das Leben und seine Fülle glauben,
und ihre Truhe ist niemals leer.

Es gibt jene, die mit Freude geben, und diese Freude ist ihr Lohn.

Es gibt jene, die mit Schmerzen geben, und dieser Schmerz reinigt und entsündigt sie.

Und es gibt jene, die ohne Mühen geben,
noch Freude dabei suchen, noch um der Rechtschaffenheit willen;
Sie geben so, wie in jenem Tale die Myrte ihren Duft verströmt.

Durch ihre Hände spricht ein Gott, und aus ihren Augen lächelt er auf die Erde.

Es ist gut zu geben, wenn ihr gebeten werdet,
aber besser ist es, wenn ihr ungebeten gebt, aus tieferem Verstehen.

Und für den Freigebigen ist die Suche nach einem,
der empfangen soll, eine größere Freude als das Geben.

Gibt es denn irgendetwas, das ihr behalten könntet?

Alles, was ihr habt, werdet ihr eines Tages geben müssen;
gebt daher jetzt, dass die Tage des Gebens eure sind
und nicht die eurer Erben.

Ihr sagt oft:
„Geben würde ich schon, aber nur denen, die es verdienen:“
Die Bäume in eurem Obstgarten reden nicht so,
und auch nicht die Herden auf euren Weiden.

Sie geben, auf dass sie leben, denn wer nicht gibt, wird zu Grunde gehen.
Gewiss ist derjenige, der würdig ist,
die Tage und Nächte seines Lebens zu erhalten,
auch dem würdig, was er von euch erhält.

Und wer verdient hat, vom Meer des Lebens zu trinken,
verdient auch, seinen Becher aus eurem Bach zu füllen.

Welcher Verdienst mag größer sein als einer,
der im Mut und im Vertrauen des Beschenkten, ja im liebenden Annehmen
des Almosens gründet?

Und wer seid ihr, dass euch die Menschen ihr Herz öffnen
und ihren Stolz offenbaren sollten,
damit ihr ihren Wert unverborgen und ihren Stolz unverstellt seht?
Seht zuerst zu, daß ihr selbst verdient, Gebende und Werkzeuge des Gebens zu sein.

Denn in Wahrheit ist es das Leben, das dem Leben gibt –
während ihr, die ihr euch als Gebende wähnt, nichts anderes seid als Zeugen.

Und ihr, die ihr empfangt – und ihr seid alle Empfangende -,
bürdet euch nicht die Last der Dankbarkeit auf,
damit ihr nicht euch und dem Gebenden ein Joch auferlegt.

Schwingt euch gemeinsam mit dem Gebenden auf seinen Gaben empor wie auf Flügeln.
Denn wenn ihr eure Schuld zu sehr vor Augen habt,
zweifelt ihr an der Freigebigkeit dessen,
der die großherzige Erde zur Mutter und Gott zum Vater hat.

***
Quelle: Die Deutsche Gedichtebibliothek

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10 Gedanken zu “Vorwort

  1. Hey,
    das hört sich spannend an, ich habe Dich gleich mal auf meinem Blog verlinkt. Ich freue mich schon auf die Challenges, mal sehen wie viele ich mithalten kann. 😉
    Liebe Grüße,
    Julia

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  2. Liebe Dörte

    Bin über frau dingding auf deinen Blog aufmerksam geworden. Und du hast mich echt neugierig gemacht! Ich freue mich auf deine Challenges, Blogparaden und mehr ….

    Mein Minimalismus-Blog ist derzeit in der Mache … mit einem anderen Fokus als du … ich bin in dieser ganzen Szene eine absoluter „Newbie“ (musste nachsehen, was MOOCs sind) … und taste mich langsam, aber sicher voran. Um das Bloggen zu lernen starte einen Blog zu einem Thema, was mich interessiert und das ist eben der Minimalismus.

    Also, ich freue mich auf all das, was bei dir zu lesen sein wird … und was sich daraus an Vernetzungen, gegenseitigen Inspirationen, etc. ergeben wird.

    Viele Grüsse von einem Fischkopp, den es in die Schweiz verschlagen hat!

    Barbara

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